Kommentar: Corbyns Plan wird scheitern

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Corbyns Plan wird scheitern
Corbyns Plan wird scheitern (Foto: Roland Rasemann)
Sebastian Borger

Mitte August herrscht in Großbritanniens Politik normalerweise tiefe Ruhe. Diesmal aber erregt der in zehn Wochen bevorstehende Brexit die Gemüter. Während Premierminister Boris Johnson am chaotischen Brexit ohne Austrittsvertrag bastelt, sucht die Opposition innerhalb und außerhalb seiner konservativen Partei fieberhaft nach Wegen, den sogenannten No Deal zu vermeiden.

Mal ist von einer nationalen Einheitsregierung die Rede, mal von der Übernahme des Unterhauses durch die Hinterbänkler aller Parlamentsfraktionen. Der Vorschlag des Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn zielt in eine ähnliche Richtung: Er will Johnson stürzen und sich selbst in der Downing Street installieren, wenn auch nur übergangsweise, nämlich bis zu einer Neuwahl. Aufgeregte Kommentatoren in London nennen das lächerlicherweise einen Putsch. In Wahrheit handelt es sich um normalen Parlamentarismus.

Allerdings wird Corbyn scheitern, und zwar zuallererst an sich selbst: Dem eingefleischten Europaskeptiker und Antiamerikaner trauen ja nicht einmal weite Teile seiner eigenen Fraktion über den Weg, geschweige denn die für eine Machtübernahme nötigen Liberalkonservativen, die Johnsons Weg nicht mitgehen wollen.

Als Übergangspremier kommen eine Reihe erfahrener Unterhausabgeordneter beiderlei Geschlechts und gesetzteren Alters infrage. Der Oppositionsführer hingegen gehört trotz seiner 70 Lebens- und 36 Parlamentsjahre ganz bestimmt nicht dazu.

politik@schwaebische.de

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