Kindesmissbrauch ist immer ein Verbrechen, kein Vergehen

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SZ_Collage: Dirk Grupe kommentiert die angedachte Verschärfung von Strafen für Kindermissbrauch. (Foto: Roland Rasemann/David Inderlied/Kirchner Media / SZ/Imago)
Dirk Grupe

Es hat eine lange und hitzige Debatte gebraucht, um sich für eine Verschärfung des Strafrechts bei Kindesmissbrauch zu entscheiden. Die nun geplanten höheren Strafen für die Täter werden vermutlich nicht mehr Kinder vor den schrecklichen Übergriffen schützen. Richtig sind sie trotzdem.

Nach Kinderschänderskandalen wie zuletzt in Münster stehen sich zumeist reflexartig zwei Parteien gegenüber. Auf der einen Seite jene, die nach der harten Hand der Justiz rufen, und auf der anderen solche, die auf vermeintlich weichere Hebel setzen.

In der aktuellen Lage braucht es aber beides.

Denn wer bitte wollte allen Ernstes darauf beharren, dass Missbrauch bei Kindern, in welcher Form auch immer, nur ein Vergehen darstellt und nicht ein Verbrechen? Bei der nun angedachten Rechtsreform geht es daher vor allem um ein wichtiges Signal: an die Opfer, dass ihre schweren Leiden ernst genommen und in ein angemessenes Verhältnis gesetzt werden. Für ihr späteres Leben kann diese juristische Würdigung von zentraler Bedeutung sein. Und es ist eine Botschaft an die Bürger: Das Wohl und die Unversehrtheit des Nachwuchses hat allerhöchste Bedeutung.

Um Kindesmissbrauch einzudämmen, reicht das Gesetzbuch allerdings nicht aus.

Schon Missbrauchsfälle wie jener in Staufen haben Mängel bei Jugendämtern und Familiengerichten offenbart. Veränderungen braucht es auch in Schulen, Kitas und Sportvereinen, hier sind Schutzkonzepte und Aufklärung genauso nötig wie strenge Überprüfungen der persönlichen Eignung bei all jenen, die Kinder in ihre Obhut nehmen. Überdies muss die Polizei personell und technisch in der Lage sein, die Täter zu überführen. Und Kinderärzte benötigen Rechtssicherheit, wenn sie mit Jugendhilfe und Kollegen Daten austauschen. Eine lange Liste – in der Entscheidendes aber noch fehlt.

Kindesmissbrauch kommt mitten aus der Gesellschaft.

Und kann nur aus ihrer Mitte heraus bekämpft werden. Das bedeutet aber auch, dass wir eine Antwort auf die Frage finden sollten, wie Kinderpornografie und sexuelle Gewalt gegen die Kleinsten zu einem Massenphänomen werden konnten.

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