Kinderporno-Verdacht: Druck auf Tauss wächst

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Die baden-württembergische SPD hat den Druck auf den unter Kinderporno-Verdacht stehenden SPD-Abgeordneten Jörg Tauss weiter erhöht.

„Man erwartet, dass er sich diese Woche erklärt, wie es weitergeht“, sagte ein Parteisprecher am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Stuttgart. Noch vor kurzem hatte SPD- Landeschefin Ute Vogt gesagt, Tauss solle bis Ostern Zeit haben, eine Entscheidung zu treffen. Der 55-jährige Karlsruher Politiker räumte unterdessen in einer fünfstündigen Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft Karlsruhe, erneut ein, Pornofotos und entsprechende Filme besessen zu haben. Er habe das Material im Zusammenhang mit seinen Recherchen als Abgeordneter und Medienexperte genutzt, sagte Tauss nach Angaben der Anklagebehörde am Montag.

Die Staatsanwaltschaft glaubt ihm das nicht. „Die bisherige Einschätzung der Staatsanwaltschaft Karlsruhe zu seiner Einlassung besteht fort“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gunter Spitz nach der Vernehmung. Seine Behörde sieht zwischen den beschlagnahmten Fundstücken und der Arbeit von Tauss als Abgeordneter keinen Zusammenhang.

Tauss' Anwalt Jan Mönikes sagte nach der Vernehmung, sein Mandant sei „auf alle Details“ umfassend eingegangen. „Es war ein sehr faires Gespräch.“ Er zeigte sich nach wie vor überzeugt von der Unschuld des Politikers.

Für den 55-jährigen Tauss geht es auch um die Frage, ob er am 27. September erneut für den Bundestag kandidiert. Der frühere Generalsekretär der Südwest-SPD steht auf der Landesliste auf dem aussichtsreichen Platz 7. In Teilen der Südwest-SPD wird Tauss wegen der Affäre im Superwahljahr für die Partei als untragbar angesehen. Der rechtspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Rainer Stickelberger, hatte sogar erklärt, Tauss solle „möglichst schnell“ sein Bundestagsmandat niederlegen.

Tauss hatte in der vergangenen Woche Fehler eingeräumt, seine Unschuld allerdings beteuert. Er war nach Aufkommen der Vorwürfe von seinem Amt als Generalsekretär zurückgetreten und hatte auch seinen Posten als medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion aufgegeben, nachdem in seiner Berliner Wohnung Kinderporno- Bildmaterial gefunden worden war. Nach Aussage von Tauss hat er die Bilder bei einer Recherche über einen Kinderporno-Ring erhalten und aufbewahrt.

Ermittler hatten bei einem Mann aus der Kinderpornografie-Szene in Bremerhaven Handy-Nummern gefunden, die dem Politiker zuzuordnen waren. Die über Handy ausgetauschten Text- und Bild-Kurzmitteilungen seien „szenetypisch“ gewesen, hieß es.

Am kommenden Donnerstag (26.3.) wollen die Vorsitzenden der 43 Ortsvereine von Tauss' Wahlkreis Karlsruhe-Land darüber entscheiden, ob sie sich für dessen erneute Kandidatur zum Bundestag stark machen wollen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen