Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit der Jesiden

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 Hendrik Groth
Hendrik Groth (Foto: Roland Rasemann)
Chefredakteur

Dreimal war das Flüchtlingscamp Mam Rashan im Nordirak der Fixpunkt unserer Weihnachtskampagne. Nun ist auch das Camp Sheikhan hinzugekommen. Wir haben dank des überwältigenden Spendenaufkommens viel erreicht: Wohncontainer, Gewächshäuser, Ladenzeilen, Spiel- und Fußballplätze wurden gebaut. Dank der neuen Schulbusse werden jesidische Jugendliche auf weiterführenden Schulen bis zum Abitur unterrichtet.

Die Behörden in Iraks autonomer Region Kurdistan stützen die Aktion, so wie es einige andere Nichtregierungsorganisationen auch tun. Baden-Württembergs Regierung hilft bei der Energieversorgung wie bei der psychotherapeutischen Behandlung für traumatisierte Frauen, Kinder und Männer. Doch eines werden wir nicht schaffen: den Menschen den Schmerz zu nehmen, dass sie ihre Heimat verloren haben. Die übergroße Mehrheit der jesidischen Flüchtlinge kommt aus dem Shingal-Gebirge. Dort ist die Infrastruktur zerstört, die Dörfer sind vermint und unterschiedlichste Milizen sorgen für Angst und Instabilität.

Die auch von uns zu Beginn der Hilfsaktion mitgehegte Hoffnung, dass Tausende nach Ende des Krieges ihren Wohncontainer auf einen Sattelschlepper wuchten und dann zu Hause einen Neuanfang starten können, ist zu einer Illusion geworden. Das Zurück scheint undenkbar, die Camps werden zu Städten werden. In dieser Situation fürchten viele Entwurzelte, dass die Weltgemeinschaft sie vergessen könne. So hat das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen seine Unterstützung bereits gekürzt.

Wir werden jedoch versuchen, mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln Frustration und Hoffnungslosigkeit zu bekämpfen. So war es jetzt im Frühling viel mehr als nur Fußball, als 18 Männer- und sechs Frauenmannschaften um den Schwabenpokal spielten. Spaß war angesagt. Eine willkommene Ablenkung vom kargen Alltag. Wenn wir genügend Sponsoren gewinnen, wollen wir mit einem Team aus Oberschwaben den zweiten Schwabenpokal 2020 im Nordirak ausrichten. Denn Sport verbindet – über Grenzen, Religionen und Generationen hinweg.

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