Jim Acosta – der Mann mit den bohrenden Fragen

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 Stellt ungenehme Fragen: CNN-Reporter Jim Acosta.
Stellt ungenehme Fragen: CNN-Reporter Jim Acosta. (Foto: dpa)
Frank Herrmann
Frank Herrmann

Das Weiße Haus hat dem unliebsamen Journalisten Jim Acosta die Akkreditierung entzogen – viele von dessen Kollegen sehen das als besorgniserregenden Angriff auf die Pressefreiheit.

Acosta, dessen Vater Anfang der Sechziger aus Kuba floh, ist einer der prominentesten Reporter bei CNN. Seit 2012 ist er Mitglied im Pressekorps des Weißen Hauses. Dessen Aufgabe ist es, möglichst minutiös über die Arbeit des Präsidenten zu berichten, was beinhaltet, möglichst keines der wochentäglichen Briefings zu verpassen, bei denen die Sprecher des Präsidenten loben, was dem Kabinett alles gelungen ist. Acosta gehört zu jenen, die dem Spin bohrende Fragen entgegensetzen. Manchmal auch kurze Statements. Vor allem, wenn Trump persönlich am Pult steht. Als der Präsident nach heftigen Ausschreitungen in Charlottesville, provoziert durch einen Aufmarsch weißer Überlegenheitsfanatiker, von guten Leuten auf beiden Seiten sprach, sowohl bei den Rechtsradikalen als auch bei deren Gegnern, sagte ihm Acosta direkt ins Gesicht: „Nein, bei den Neonazis gibt es keine guten Leute“.

Am Mittwoch, am Tag nach der Kongresswahl, wollte er wissen, warum der Präsident eine Gruppe von Flüchtlingen, die sich quer durch Mexiko in Richtung US-Grenze bewege, als Invasion charakterisiere. „Ganz ehrlich, ich denke, Sie sollten mir überlassen, das Land zu regieren“, erwiderte Trump. „Kümmern Sie sich um CNN, wenn Sie das gut machen würden, wären Ihre Einschaltquoten viel besser.“

Als Acosta fragt, ob sich Trump Sorgen mache, dass der Sonderermittler Robert Mueller demnächst weitere Klageschriften präsentieren könnte, bekommt er zunächst zur Antwort, dass er das Mikrofon aus der Hand legen soll. Und dann: „CNN sollte sich schämen dafür, dass Sie bei denen arbeiten. Sie sind eine unhöfliche, schreckliche Person. Sie sollten nicht für CNN arbeiten. Die Art, wie Sie andere Leute behandeln – schrecklich.“ Und als sich der Journalist Sekunden später noch einmal von seinem Platz erhebt, kanzelt ihn Trump ab: „Wenn Sie Fake News verbreiten, was CNN sehr oft tut, dann sind Sie der Feind des Volkes.“

Zwischendurch hat Acosta eine Praktikantin, die ihm das Mikrofon wegzunehmen versucht, leicht am Arm berührt. Oder sie ihn. Die Bilder lassen verschiedene Schlüsse zu, in jedem sieht es harmlos aus. Sarah Huckabee Sanders, Trumps Sprecherin, verbreitet ein Video von der Szene, das möglicherweise manipuliert war, zu diesem Schluss kommt jedenfalls eine Analyse der britischen Zeitung „Independent“. Der Vorgang ist eine Petitesse. Doch Sanders nimmt ihn zum Anlass, dem Reporter die Akkreditierung fürs Weiße Haus zu entziehen – vorübergehend, wie es heißt. Darauf Acosta in einem Tweet: „Akkreditierungen wegnehmen, das machen Diktaturen, nicht Demokratien“.

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