Islamabad: Bombay-Terror in Pakistan geplant

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Spätes Eingeständnis: Zweieinhalb Monate nach der Terrorserie in der westindischen Finanzmetropole Bombay hat die Regierung in Islamabad erstmals eingeräumt, dass die Angriffe größtenteils in Pakistan geplant wurden.

Der innenpolitische Berater des Premierministers, Rehman Malik, sagte am Donnerstag, Drahtzieher der dreitägigen Angriffserie mit mehr als 170 Toten sei der Chef der Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba, Zakiur Rehman Lakhvi. Lakhvi war nach den Anschlägen in Pakistan festgenommen worden. Das überraschende Eingeständnis Maliks fiel mit dem letzten Tag des Pakistan-Besuchs des neuen US-Sondergesandten Richard Holbrooke zusammen.

Gegen acht Verdächtige, von denen sechs in Polizeigewahrsam und zwei flüchtig seien, sei Anzeige erstattet worden, sagte Malik. Die Angreifer seien von der südpakistanischen Hafenstadt Karachi aus über See nach Bombay gereist. Der Fischkutter, der die Extremisten bis in indische Hoheitsgewässer gebracht habe, sei von den pakistanischen Behörden beschlagnahmt worden. Der indische Außenamts-Sprecher Vishnu Prakash sagte, es sei noch keine offizielle Stellungnahme aus Islamabad eingegangen. Erst nach einer Prüfung einer solchen Stellungnahme werde die indische Regierung reagieren.

Die indische Regierung hatte bereits kurz nach der Terrorserie Ende November Lashkar-e-Taiba und Hintermänner in Pakistan für die Tat verantwortlich gemacht. Nach Angaben Neu Delhis kamen der eine überlebende sowie die neun getöteten Angreifer alle aus Pakistan. Islamabad hatte zunächst jede Verbindung zu der Angriffserie dementiert und die Staatsangehörigkeit der Attentäter in Zweifel gezogen. Die Terrorserie hatte die Beziehungen zwischen den beiden südasiatischen Atommächten schwer belastet. Die damalige US-Regierung musste angesichts der Eskalation diplomatisch intervenieren.

Malik sagte, einige der Festgenommenen hätten im Verhör ausgesagt. Die Aufenthaltsorte der Terroristen in Karachi vor ihrer Reise seien bekannt. Sie seien ausgebildet worden und zur Vorbereitung der Angriffe zwei Mal aufs Meer gefahren. Die Ermittler hätten zudem herausgefunden, dass die während der Angriffe zwischen den Terroristen und ihren Hintermännern verwendete Internet-Telefonie von einem pakistanischen Staatsbürger namens Javed Iqbal aus Spanien heraus organisiert worden sei. Der Anbieter der Internet-Telefonie sitze in den USA. Die Angriffe seien also nicht nur aus Pakistan heraus geplant worden, betonte Malik.

Malik sagte, auch Iqbal sei in Polizeigewahrsam. Islamabad habe Interpol gebeten gehabt, die Festnahme von Verdächtigen außerhalb Pakistans zu veranlassen. Die pakistanische Regierung sei ernsthaft darum bemüht, die Verantwortlichen der Angriffe zur Rechenschaft zu ziehen. Islamabad habe Indien daher um zusätzliche Informationen zu der Terrorserie gebeten. Die Anklage müsse mit belastbaren Beweisen ausgestattet werden. Pakistan war international unter massiven Druck geraten, die Terrorserie von Bombay aufzuklären.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen