Irans Regime hat berechtigten Grund zur Sorge

Das Regime hat Grund zur Sorge
Das Regime hat Grund zur Sorge
Thomas Seibert

In Iran prallen zwei Welten aufeinander. Revolutionsführer Ali Khamenei (83), Präsident Ebrahim Raisi (61) und andere Hardliner der älteren Generation sind geprägt von der Unterdrückung durch den Schah, von der islamischen Revolution 1979 und vom verlustreichen Krieg gegen den Irak 1980 bis 1988. Die Islamische Republik ist ihr Lebenswerk.

Dagegen wurden viele Demonstranten, die gegen die Religionspolizei und den Kopftuch-Zwang protestieren, in den 1990er- oder frühen 2000er-Jahren geboren, also eine Generation nach Revolution und Krieg. Aus ihrer Sicht hat die Islamische Republik versagt.

Iran lebt in einer Dauer-Wirtschaftskrise, die zum Teil auf westliche Sanktionen zurückzuführen ist, zum Teil aber auch auf Korruption und Misswirtschaft. Umweltprobleme durch den Klimawandel nehmen zu. Die Regierung verbietet Twitter, doch Khamenei und andere Regierungspolitiker haben offizielle Twitter-Konten, über die sie ihre Botschaften verbreiten. Kinder von hohen Regimevertretern veröffentlichen Bilder von ihren Luxusautos und ihren rauschenden Partys, bei denen keine Frau ein Kopftuch trägt. Diese Heuchelei lässt sich im Zeitalter von Smartphones und Internet nicht verheimlichen.

Trotz ihres Mutes haben die jungen Menschen – noch – keine Chance gegen Khamenei. Macht-erhalt hat für das Regime höchste Priorität. Polizei und Revolutionsgarde schlugen schon häufiger Protestbewegungen brutal nieder. Erst vor drei Jahren starben dabei Hunderte Menschen.

Dennoch hat die ungewählte Clique von Geistlichen und Soldaten an der Spitze der Islamischen Republik allen Grund, besorgt zu sein. Der greise und kranke Khamenei wird nicht ewig an der Spitze des Staates stehen – der Generationswechsel dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wenn die alte Garde abtritt, wird der Druck junger Iranerinnen und Iraner auf das Regime zunehmen.

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