Iowa und kein Ende: Wie sich die US-Demokraten zum Wahlkampfauftakt blamiert haben

Lesedauer: 5 Min
Erklärte sich schonmal zum Sieger: Präsidentschaftskandidat Pete Buttigieg.
Erklärte sich schonmal zum Sieger: Präsidentschaftskandidat Pete Buttigieg. (Foto: Andrew Harnik/dpa)
Frank Hermann

Der Auftakt der Vorwahlen der Präsidentschaftskandidaten ist zur Blamage für die US-Demokraten geworden. Am Montagabend hatten eingetragene Mitglieder oder Sympathisanten der Partei auf fast 1700 Wahlversammlungen in Iowa darüber abgestimmt, wen sie für den geeignetsten Herausforderer Donald Trumps halten. Doch die schon so oft praktizierte Aufgabe, die einzelnen Resultate zu sammeln, um das Gesamtergebnis zu ermitteln, endete im Chaos. Normalerweise steht spätestens in den frühen Morgenstunden fest, wer den Wettlauf gewonnen hat. Diesmal konnten die Verantwortlichen auch am Morgen danach nicht einmal Bruchstückhaftes vermelden. Mandy McClure, die lokale Sprecherin der Demokraten, sprach kryptisch von „Qualitätskontrollen“, die man vornehmen müsse, bevor sie ebenso kryptisch erklärte, dass man hier und da Ungereimtheiten zu bereinigen habe.

Wie sich bald herausstellte, konnten Einzelergebnisse entweder nur mit großer Verzögerung oder zunächst überhaupt nicht an die Zentrale in Des Moines, der Hauptstadt des Bundesstaats, übermittelt werden. In etlichen Fällen scheint eine Handy-App nicht funktioniert zu haben, wegen eines Software-Fehlers, wie die Zuständigen etliche Stunden später erklärten. Verzweifelte Freiwillige, damit beauftragt, die Resultate ihrer Wahlversammlungen zu melden, berichteten ratlos von einer Serie technischer Pannen.

Kein Wunder, dass die Kampagne Donald Trumps umgehend Kapital aus dem peinlichen Kapitel zu schlagen versuchte. Prompt stempelte der Wahlkampfmanager des Präsidenten die Demokraten zu Amateuren, die zwar große Pläne entwerfen, aber selbst an den einfachsten Aufgaben scheitern.

Wer von den elf demokratischen Bewerbern das Rennen machen würde, war auch am Dienstag bis Redaktionsschluss noch offen. Was den Jüngsten des Feldes freilich nicht daran hinderte, sich frühzeitig zum Sieger zu erklären. „Wir wissen, wenn alles unter Dach und Fach ist, habt ihr hier in Iowa die Nation geschockt“, jubelte Pete Buttigieg, 38 Jahre alt, bis vor wenigen Wochen Bürgermeister der mittelwestlichen Industriestadt South Bend. Die Wähler Iowas, suggerierte er, hätten ihn zum Spitzenreiter gemacht, ihn, den als Außenseiter Gestarteten, der es den Etablierten gezeigt habe. Elizabeth Warren sprach in der Nacht von einem Ausgang, der zu knapp sei, als dass man bereits einen Sieger küren könne. Was auch nicht stimmte, denn wie knapp oder klar es war, konnte die Senatorin aus Massachusetts zu dem Zeitpunkt kaum verlässlich wissen. Joe Biden wiederum, der vor Monaten als Favorit an den Start gegangen war, unter seinen Anhängern aber keine Begeisterung zu schüren versteht, ließ Bedenken zu Protokoll geben. Wenn von Qualitätskontrollen die Rede sei, schrieb einer der Anwälte des ehemaligen Vizepräsidenten unter Bezug auf oben zitierte Mandy McClure, dann wolle man eine ausführliche Erklärung darüber, „welche Methoden Sie dabei anwenden“, bevor irgendeine Tabelle publik gemacht werde.

Am Dienstagnachmittag dann ging Sanders‘ Kampagne in die Offensive, indem sie inoffiziell einen Zwischenstand meldete, den ihre Helfer ermittelt hatten. Nach Auszählung von knapp zwei Dritteln der Stimmen kam Sanders demnach auf 29,4 Prozent, gefolgt von Buttigieg (24,8 Prozent), Warren (20,6 Prozent), Biden (12,9 Prozent) und Amy Klobuchar (11,1 Prozent).

Mehr zum Thema

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen