Integrationsbeauftragte prüft Kopftuchverbot für Grundschülerinnen

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In Österreich dürfen Grundschülerinnen künftig per Gesetz kein Kopftuch mehr im Unterricht tragen.
In Österreich dürfen Grundschülerinnen künftig per Gesetz kein Kopftuch mehr im Unterricht tragen. (Foto: dpa)
Stefan Kegel

Das Kopftuchverbot für Grundschülerinnen in Österreich hat auch die Diskussion in Deutschland befeuert. Die Forderung der Bundesintegrationsbeauftragten Annette Widmann-Mauz (CDU), ein solches Verbot auch hierzulande zu prüfen, sieht der Präsident der Kultusministerkonferenz, Alexander Lorz (CDU), skeptisch. „Wenn sich Eltern auf die Freiheit der Religionsausübung berufen, hat unser Rechtsstaat wenig Handlungsmöglichkeiten“, sagte der hessische Kultusminister der „Schwäbischen Zeitung“. „Ein gesetzliches Verbot dürfte vor dem Verfassungsgericht daher kaum bestehen.“ Der CDU-Politiker setzt vielmehr auf Gespräche und Beratung der Eltern.

Stigmatisierung befürchtet

Grundsätzlich sieht Lorz das Tragen dieses Kleidungsstücks im Unterricht allerdings kritisch. „Aus pädagogischen und integrativen Gesichtspunkten muss man das Tragen eines Kopftuches im Grundschulalter, zumal es der Islam auch nicht vorsieht, ablehnen“, erklärte er. „Es trägt nicht zur Integration bei und stigmatisiert diese Mädchen in der Klassengemeinschaft.“ Die Integrationsbeauftragte Widmann-Mauz hatte zuvor erklärt: „Dass kleine Mädchen Kopftuch tragen, ist absurd – das sehen auch die meisten Muslime so.“ Alle Maßnahmen, die Mädchen davor schützten – vom Elterngespräch bis zum Verbot – sollten geprüft und angegangen werden.

Die Islamkritikerin Seyran Ates wandte sich gegen den Einwand, mit einem Kopftuchverbot werde die Religionsfreiheit beeinträchtigt. „Es ist für die Gesetze, die sich ein säkularer Rechtsstaat gibt, völlig unerheblich, was eine – jede – Religion für sich und ihre Anhänger einfordert. Er hat die Freiheitsrechte des Individuums auch gegen ihren Willen durchzusetzen“, erklärte sie. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach erklärte: „Kinder in den Konflikt mit ihren Eltern zu zwingen ist unehrenhaft.“

Keine Zahlen für Deutschland

Im Koran ist ein Kopftuch nicht vorgeschrieben. Regelungen für die Bekleidung für gläubige Frauen sehen vor, dass sie ihre Scham und Schlitze in ihrem Gewand verdecken sollen und Schmuck nur die eigene Familie sehen darf. Umstritten ist, ob es sich bei Haaren um Schmuck handelt. Zudem ist für die Frauen des Propheten bei Unterhaltungen mit Fremden ein Schleier oder Vorhang Pflicht. Für Kinder gibt es solche Regelungen im Koran nicht. Offizielle Zahlen, wie viele Mädchen in Deutschland mit Kopftuch zur Schule gehen, gibt es bislang nicht.

In der baden-württembergischen Landesregierung sind die Meinungen geteilt. Während Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) in der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ „ein Verbot bis zur Religionsmündigkeit sinnvoll“ nannte, sprach sich Integrationsminister Manfred Lucha (Grüne) gegen „Verbotsdiskussionen“ aus.

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