In Libyen teilen sich gegnerische Blöcke das Land auf

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Blockbildung in Libyen
Blockbildung in Libyen
Thomas Seibert

Der Krieg in Libyen wird nicht von den Libyern entschieden. Viel wichtiger als die Einheitsregierung in Tripolis und ihr Gegner, Rebellengeneral Khalifa Haftar, sind ein halbes Dutzend andere Länder. Die ausländischen Akteure bündeln ihre Interessen immer mehr in zwei gegnerischen Blöcken, die das Land unter sich aufteilen.

Alle Beteiligten bekennen sich scheinheilig zur friedlichen Konfliktlösung und zum Selbstbestimmungsrecht der Libyer. Tatsächlich aber dürfte der Konflikt bald weiter eskalieren. Wenn die Einheitsregierung die Stadt Sirte einnimmt und damit die Hand nach Libyens Ölvorkommen ausstreckt, werden Russland und Frankreich wesentlich aktiver in den Krieg eingreifen als bisher.

Dieser Machtkampf verurteilt die Vermittlungsbemühungen der UN zur Bedeutungslosigkeit: Wenn Sicherheitsratsmitglieder selbst in einem Krieg mitmischen, ist die Weltorganisation gelähmt. Die EU hat sich ins Abseits manövriert, weil ihre Mitglieder Frankreich und Italien in dem Konflikt auf verschiedenen Seiten stehen.

Die Friedensappelle der Berliner Libyen-Konferenz vom Januar sind längst im Schlachtenlärm untergegangen. Die Entscheidungen fällen Akteure wie der türkische Präsident Erdogan, der ägyptische Staatschef Sisi oder Kremlchef Putin. Und die denken nicht daran, Libyen sich selbst zu überlassen.

politik@schwaebische.de

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