In Griechenland sieht man, was die EU erreichen kann – wenn sie nur will

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Angela Merkel und Alexis Tsipras in Harmonie verbunden: Vor fünf Jahren, als die Bundeskanzlerin zum letzten Mal Athen besuchte, wäre diese Vorstellung undenkbar gewesen. Da war sie die meist gehasste ausländische Politikerin in Griechenland, und Tsipras stand auf der anderen Seite der Absperrung, um gegen sie zu demonstrieren. Doch aus dem linken Populisten ist längst ein Realpolitiker geworden – und das verbindet ihn mit Merkel. Um Griechenland in der Eurozone zu halten, hat der linke Tsipras das umgesetzt, was Brüssel und der Internationalem Währungsfonds von ihm verlangt haben. Harte Sparmaßnahmen, die viele Griechen zwar in den Ruin getrieben, aber das Land aus der Rolle des Bittstellers herausgeholt haben. Ein Erfolg mit Schattenseiten, aber er zeigt doch, wozu die Europäische Union in der Lage ist, wenn sie es denn will.

In der Flüchtlingspolitik will die EU offenbar nichts – auch das macht Merkels Besuch bei Tsipras deutlich. Ihre gemeinsame Klage über die mangelnde Solidarität in Europa hilft jenen Flüchtlingen, die in überfüllten Lagern auf den Ägäis-Inseln festsitzen, nicht weiter. Brüssel nimmt es seit Jahren hin, dass sich EU-Mitgliedsländer der Zusammenarbeit verweigern – ohne die Daumenschrauben anzusetzen. Ein Armutszeugnis für eine Gemeinschaft, die sich auch als Wertegemeinschaft versteht.

c.kling@schwaebische.de

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