Astrazeneca-Debakel: Impf-Freiwillige vor!

Zahlen und Statistiken belegen, dass eine Impfung mit Astra-Zeneca auch bei jüngeren Menschen sehr viel weniger gefährlich für Leib und Leben ist als eine Corona-Infektion. (Foto: SZ-Collage/DPA)
Berlin-Korrespondentin

Die nächste Volte in der traurigen Impfkampagne der Bundesrepublik Deutschland. Astra-Zeneca soll nur noch Menschen über 60 Jahren empfohlen werden. Das ist schon eine erstaunliche Entwicklung, wenn man auf die kurze Geschichte des Impfstoffs hierzulande blickt.

Zuerst sollte das Präparat nicht an alte Menschen verimpft werden, dann kurzzeitig niemandem mehr, dann an alle Berechtigte ab 18 Jahren, jetzt nur noch älteren. Dass dieses Hin und Her das Vertrauen in diesen Impfstoff erschüttert, liegt auf der Hand. Dies ist schlimm, da Astra-Zeneca ein wichtiger Faktor im Kampf gegen das Coronavirus ist.

Zahlen und Statistiken belegen, dass eine Impfung mit Astra-Zeneca auch bei jüngeren Menschen sehr viel weniger gefährlich für Leib und Leben ist als eine Corona-Infektion. Dennoch werden es vor allem Frauen mit einer gewissen Erleichterung gehört haben, dass dieser Impfstoff an ihnen vorbeigehen wird.

Die Vorstellung, gesund in ein Impfzentrum oder zum Hausarzt zu gehen und anschließend mit einer schweren Erkrankung oder dem Tod zu ringen, ist beängstigend – Zahlen hin oder her. Auch der oft bemühte Vergleich mit den Nebenwirkungen von Medikamenten zieht in diesem Fall nicht, schlicht, weil Impflinge keine Patienten sind.

Ein stärkeres Durchgreifen von Kanzlerin Angela Merkel hätte man sich nach dem Sonntag anders vorgestellt.

Irritierend ist allerdings die Art und Weise, wie es nun zum erneuten Teilstopp von Astra-Zeneca kam. Zuerst setzten einige Bundesländer die Impfungen aus, dann wurde im Bund darüber beraten. Ein stärkeres Durchgreifen von Kanzlerin Angela Merkel hätte man sich nach dem Sonntag anders vorgestellt.

Wie es nun weitergehen kann, um den Impf-Zeitplan nicht völlig aufgeben zu müssen? Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sagte dazu den bemerkenswerten Satz: „Wer will, und wer es sich traut quasi, der soll auch die Möglichkeit haben.“ Also, Freiwillige vor!

Tatsächlich scheint dies im Fall von Astra-Zeneca der einzige Weg zu sein, um aus der Misere rauszukommen. Dies würde Bürokratie-verliebten Entscheidern zwar etwas Flexibilität abverlangen, gleichzeitig aber die Eigenverantwortung der Bürger stärken.

Erst am Sonntag hat Merkel ihr Versprechen, allen Impfwilligen bis Ende Sommer ein Angebot machen zu können, sehr ernsthaft wiederholt. Ohne schnelle Lösung des Astra-Zeneca-Problems bleibt ihr nichts anderes übrig, als bereits jetzt an einer neuen Entschuldigungsrede zu feilen.

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