Holocaust-Leugner Williamson in London erwartet

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Deutsche Presse-Agentur

Nach seiner Ausreise aus Argentinien wird der britische Holocaust-Leugner und Bischof der erzkonservativen Pius-Bruderschaft, Richard Williamson, heute in London erwartet. Die Linienmaschine der mit dem 68-Jährigen an Bord soll am Morgen um 7.15 Uhr (Ortszeit/0815 MEZ) in London-Heathrow landen.

Williamson hatte seine bisherige Wahlheimat Argentinien am Dienstag verlassen. Er war damit einer ultimativen Ausreise-Aufforderung der argentinischen Regierung zuvorgekommen, die ihn wegen „Unregelmäßigkeiten“ in seinem Visumsantrag und der Leugnung des Holocausts bereits zum Verlassen des Landes gedrängt hatte. In Großbritannien ist die Leugnung der Shoa nicht strafbar.

Williamson darf nach Angaben der britischen Regierung deshalb ungehindert in seine Heimat einreisen. „Er ist ein britischer Bürger und hat sich hier nicht strafbar gemacht“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums der Deutschen Presse-Agentur dpa am Dienstagabend in London. Auch wenn Williamson streitbare Ansichten habe, habe er nach britischem Recht keine Straftat begangen. „Wir können ihn deshalb nicht aufhalten, zurückzukommen.“ Der Präsident des britischen Holocaust Educational Trust, Lord Janner, sagte: „Es wäre sehr viel besser, wenn er nicht hier wäre. Aber da er britischer Bürger ist, kann das nicht verhindert werden.“

Bei seiner Abreise aus Argentinien gab der seit Wochen untergetauchte 68-Jährige am Flughafen Buenos Aires am Dienstag keine Erklärungen ab. Dafür drohte er einem Journalisten mit geballter Faust. Die Zentrale der Pius-Bruderschaft im Schweizer Menzingen teilte auf dpa-Nachfrage mit, dass man nicht sagen könne, wo Williamson am Ende hinreisen werde. Die Leitung der Priesterbruderschaft habe ihm dies offengelassen.

Die Rücknahme der Exkommunizierung Williamsons und drei weiterer Pius-Bischöfe durch Papst Benedikt XVI. Ende Januar hatte Empörung ausgelöst. Fast zeitgleich war ein TV-Interview mit Williamson veröffentlicht worden. Darin behauptete der Bischof, dass in Nazi- Lagern nicht sechs Millionen Juden ermordet worden seien, sondern maximal 200 000 bis 300 000, allerdings niemand in Gaskammern. Einer Aufforderung des Papstes, seine Aussagen zu widerrufen, widersetzte sich Williamson. Er müsse erst die „Tatsachen“ neu untersuchen, sagte er in einem Interview. Dabei ist der Holocaust historisch völlig unstrittig.

Die Pius-Bruderschaft hat sich zwar von Williamsons Äußerungen zur Judenvernichtung während der Nazizeit distanziert. Allerdings werden auch der Bruderschaft antisemitische und antijudaistische Tendenzen vorgehalten.

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