Shero Smo.
Shero Smo. (Foto: PR)
Schwäbische Zeitung

Der 31-jährige Shero Smo ist Leiter des Flüchtlingscamps Mam Rashan im Nordirak. Er hat eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht und anschließend einen Bachelor-Abschluss in Englisch. Bevor er im September 2016 die Leitung des Camps nahe der Stadt Dohuk übernahm, leitete er das Flüchtlingslager Esyia im Nordirak, wo die Menschen nicht in Containern lebten, sondern in insgesamt 3000 Zelten.

Bei uns in Europa ist jetzt Winter. Wie sieht der Winter im irakischen Camp aus?

Tagsüber kann es zwei bis drei Grad über null sein, nachts haben wir auch hier Minustemperaturen.

Wie haben die Menschen in Mam Rashan das neue Jahr begrüßt?

Die meisten Vertriebenen haben mit ihren Familien in den Wohncontainern Neujahr gefeiert. Viele hier sind aber noch traumatisiert von der Vertreibung durch den „Islamischen Staat“, freudige Anlässe bringen darum auch häufig die düsteren Erinnerungen wieder hoch. Auf der anderen Seite sind die Menschen erst einmal dankbar, dass sie überhaupt noch am Leben sind.

Mit den Spenden unserer Leser wurden 20 Wohncontainer bezahlt, jetzt soll noch ein Marktplatz errichtet werden. Warum?

Die meisten Menschen hier sind arbeitslos, ein Markt schafft Arbeitsplätze und Einnahmen, zumindest für einige von ihnen. Außerdem können die Vertriebenen direkt vor Ort einkaufen und sie müssen nicht hohe Busgebühren zahlen, um in die Stadt zu fahren.

Wie haben diese Menschen denn nach der Flucht gelebt, bevor sie nach Mam Rashan kamen?

Viele haben den Winter in einem Rohbau verbracht, hier im Camp ist erstmals eine solide und permanente Unterbringung möglich. Sie haben ein Dach über dem Kopf. So können die Menschen besser ihren Alltag planen. Dass es eine Schule und ein Krankenhaus hier im Camp gibt, schafft ein Gefühl der Stabilität und Verlässlichkeit.

Werden diese Flüchtlinge jemals wieder in ihre Heimatorte zurückkehren können?

Das hängt von den weiteren Entwicklungen hier im Nordirak ab. Aber viele Flüchtlinge hegen die Hoffnung, dass der Islamische Staat irgendwann von hier vertrieben werden wird. Dann könnte es irgendwann mit einem Wiederaufbau beginnen. Das wird aber weitere Hilfe der Weltgemeinschaft notwendig machen.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen