Hardliner Pompeo ersetzt Rex Tillerson im US-Außenministerium

Lesedauer: 6 Min
Rex Tillerson (links) geht, Mike Pompeo übernimmt das US-Außenministerium.
Rex Tillerson (links) geht, Mike Pompeo übernimmt das US-Außenministerium. (Foto: afp)
Schwäbische Zeitung
Frank Herrmann
Frank Herrmann

Wenn es ein Omen war, dann war es kein gutes. Rex Tillerson blieb zwar in Afrika, statt seine Reise sofort abzubrechen, doch am Sonnabend ließ er einen Sprecher mitteilen, dass er sich nicht wohlfühle und in Nairobi einen Tag Pause einlege, ohne offizielles Programm. Das berufliche Schicksal des Außenministers hing seit Monaten am seidenen Faden. Am Dienstag verkündete Donald Trump dann, CIA-Direktor Mike Pompeo werde der neue Außenminister sein. „Er wird einen fantastischen Job machen! Dank an Rex Tillerson für seinen Dienst.”

Mit Tillerson geht ein Praktiker. Ein Schwergewicht der Geschäftswelt, das Trump auch deshalb ins Kabinett holte, weil es zu seiner Philosophie passte, nach der ein Businessman allemal mehr fertigbringt als ein Politiker. Als Konzernchef von Exxon Mobil war der Texaner mit der Reibeisenstimme zwar gewiss kein Neuling auf dem Feld der Diplomatie. Nur hatte er bis dahin die engeren Interessen einer Ölgesellschaft vertreten, nicht die deutlich breiter definierten einer Supermacht.

Kühle Realpolitik

Seine Gesprächspartner waren die Staats- und Regierungschefs von Ländern, in denen sich Exxon Förderrechte sichern wollte. Zu Wladimir Putin hatte er einen ebenso guten Draht wie zum Königshaus Saudi-Arabiens. Kurzum, Tillersons Name stand für kühle Realpolitik, bei der die Menschenrechte eher klein- geschrieben wurden. Das Image des Managers, es schien zu passen zu Trumps Ansatz, die Rolle Amerikas in der Welt auf ein Minimum zu begrenzen, statt rund um den Globus auf demokratische Verhältnisse hinzuarbeiten.

Mit dem Vorgesetzten im Oval Office ist er allerdings nie warm geworden. Die Chemie stimme nicht, wussten Kenner schon vor Monaten zu berichten. Trumps egomanische Sprunghaftigkeit ging dem stoischen Ölmann offenbar auf die Nerven. Dass es indes in erster Linie inhaltliche Differenzen waren, die Tillersons Entlassung besiegelten, hat der Präsident selber nach seiner Entscheidung deutlich gemacht. „Wir haben einfach nicht dasselbe gedacht“, sagte er vor Reportern im Weißen Haus. „Wenn Sie sich den Iran-Deal anschauen. Ich glaube, er ist schrecklich. Er hielt ihn wohl für ganz okay.“ Er, so Trump, habe das Atomabkommen mit Teheran entweder brechen oder „etwas damit tun“ wollen, Tillerson habe das anders gesehen.

Bevor der US-Präsident im Falle Nordkoreas zumindest vorläufig auf eine moderatere Linie einschwenkte, war es neben Verteidigungsminister James Mattis namentlich Tillerson, der zur Besonnenheit mahnte. Im vorigen Sommer soll er Trump im kleinen Kreis einen „moron“, einen „Trottel“, genannt haben, was er übrigens nie dementierte. Als der Sender NBC davon erfuhr und es publik machte, schien sein Abgang nur noch eine Frage der Zeit. Als Trump Saudi-Arabien im Streit mit Katar volle Rückendeckung gab, bediente sich Tillerson seiner alten Kontakte am Golf, um den Part des neutralen Vermittlers zu spielen. Zuvor hatte er vergeblich davon abgeraten, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, allein schon aus dem Wunsch heraus, die Allianz mit den Europäern nicht noch mehr zu belasten.

Mike Pompeo, der Neue an der Spitze des State Department, scheint sich dagegen besten Einvernehmens mit Trump zu erfreuen, zumal er praktisch täglich mit ihm spricht. An fast jedem Wochentag trägt der bisherige CIA-Direktor beim morgendlichen Geheimdienst-Briefing vor, wie seine Analytiker die Weltlage sehen. Mit seinem robusten, selten von Selbstzweifeln geplagten Stil soll er den Präsidenten so beeindruckt haben, dass der schon seit Längerem mit dem Gedanken spielte, ihn zu befördern.

Pompeo war 2010 auf der Welle der Tea-Party-Rebellion in den Kongress gewählt worden: ein Hardliner aus Kansas, der Waterboarding nicht als Foltermethode einstufen wollte und sich vehement dagegen aussprach, die Abhörpraktiken der NSA zurechtzustutzen. Was den Atomdeal mit Iran angeht, so zählt er zum Lager der Skeptiker.

Pompeo ist Absolvent der Militärakademie West Point und der Universität Harvard. Er vertrat von 2011 an den Bundesstaat Kansas im Repräsentantenhaus, bevor er 2017 zur CIA wechselte. Der US-Senat segnete ihn mit 66 zu 32 Stimmen ab.

Im Wahlkampf 2016 war Pompeo ein profilierter Kritiker der Demokratin Hillary Clinton. Er unterstützte FBI-Direktor James Comey öffentlich darin, kurz vor der Präsidentenwahl das Thema ihres privaten E-Mail-Servers neu anzugehen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen