Guantánamo-Häftling zurück in England

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Deutsche Presse-Agentur

Der erste seit dem Amstantritt von US-Präsident Barack Obama freigelassene Guantánamo-Häftling, ein 30-jähriger Äthiopier, ist in seine Wahlheimat Großbritannien zurückgekehrt.

Nach mehr als vier Jahren in dem umstrittenen US-Gefangenenlager auf Kuba landete der von einem Hungerstreik geschwächte Binyam Mohamed am Montag auf einem Militärflughafen bei London.

Nach seiner Entlassung bekräftigte der 30-Jährige frühere Foltervorwürfe gegen die USA und den britischen Geheimdienst. Damit verstärkte er den Druck auf die Regierung in London, die sich schon mehrfach Vorwürfen ausgesetzt sah, dass ihre Agenten in Folter von Terrorverdächtigen verwickelt sein könnten.

Außenminister David Miliband bezeichnete die Freilassung des gebürtigen Äthiopiers als den „ersten Schritt“ auf dem Weg, Guantánamo komplett zu schließen. Der Tag der Freilassung fiel mit einem Besuch von US-Justizminister Eric Holder in Guantánamo zusammen, der sich ein Bild von der Lage und den zu lösenden Problemen bei der Schließung des Lagers machen wollte. Die kommenden Tage will Mohamed zurückgezogen mit seiner Familie und Rechtsberatern verbringen.

Das Schicksal des Mannes, der nach eigenen Angaben auf „mittelalterliche Art“ gefoltert wurde, sorgt seit Wochen für Schlagzeilen in Großbritannien. Mohamed saß seit 2004 wegen Terrorverdachts in dem Lager und befand sich zuletzt im Hungerstreik. Er war 2002 in Pakistan festgenommen worden. Nach eigener Darstellung wurde er anschließend in Marokko, Pakistan und Afghanistan in US- Gefangenschaft gefoltert, bis er die Terrorvorwürfe zugab. Dabei hatte der britische Geheimdienst nach Darstellung Mohameds Fragen an seine Folterer weitergegeben. Die USA bestreiten alle Foltervorwürfe.

„Ich muss - mehr in Trauer als in Wut - sagen, dass sich viele an meinem Grauen in den vergangenen sieben Jahren mitschuldig gemacht haben“, sagte Mohamed in einer Erklärung. „Ich will keine Rache. Nur soll die Wahrheit bekanntwerden, so dass niemand dasselbe aushalten muss wie ich.“

Mohamed wurde beschuldigt, 2001 in einem El-Kaida-Lager in Afghanistan ausgebildet worden zu sein, um Terroranschläge in den USA auszuführen. Im vergangenen Oktober wurden sämtliche Vorwürfe gegen ihn fallen gelassen. Die Regierungen der USA und Großbritanniens hatten sich vergangene Woche geeinigt, Mohamed nach Großbritannien zurückzufliegen. Obama will das Lager auf Kuba, den dem noch rund 245 Gefangene sitzen, innerhalb eines Jahres schließen.

Mohameds Foltervorwürfe sind auch Kern eines Rechtsstreits vor einem Londoner Gericht: Mohamed hatte dort die Veröffentlichung von Akten beantragt, aus denen die Folterbeteiligung des britischen Geheimdienstes hervorgehen soll. Außenminister Miliband hatte die Veröffentlichung abgelehnt, weil es sich bei den Akten um US- Geheimdienstinformationen handele, die nicht ohne Einverständnis der USA veröffentlicht werden dürften.

Auch Premierminister Gordon Brown stellte am Montag nochmals klar, dass Geheimdienstmaterial, das zwischen Ländern ausgetauscht werde, vertraulich behandelt werden müsse. Kate Allen, Direktorin von Amnesty International in Großbritannien, forderte am Montag eine unabhängige Untersuchung über die Rolle der Briten in dem Fall.

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