Grüne wählen Spitze für Europa

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Eine Familie mit zwei Kindern geht auf dem Weg zur 43. Bundesdelegiertenkonferenz von Bündnis 90/Die Grünen unter einem Transparent "Kommt mit nach Europa." hindurch. Im Mittelpunkt des Parteitages steht die Verabschiedung des Europawahlprogramms und die Aufstellung der Bundesliste der Grünen für die Europawahl. (Foto: dpa)

Die Grünen haben in Leipzig ihre neue Spitze für Europa gewählt: Auf Platz eins steht Ska Keller, auf Platz zwei Sven Giegold. Es folgen Terry Reintke (Berlin) auf Platz drei und der frühere Grünen- Chef Reinhard Bütikofer auf Platz 4.

 

Ska Keller, die Energische

Sie ist jung, sie ist links: Die Brandenburgerin, seit 2016 an der Spitze der europäischen Grünen-Fraktion, ist zur deutschen Spitzenkandidatin gewählt worden und will zwei Wochen später bei einem Parteitag der europäischen Grünen in Berlin auch für Platz eins der europäischen Liste kandidieren.

Eigentlich heißt sie Franziska, doch als Jugendliche hat sich die 36-jährige schon Ska genannt. Die Islamwissenschaftlerin Keller

kommt aus Guben. Eine ostdeutsche Kleinstadt sei kein einfaches Pflaster, wenn es um Neonazis geht, so Keller. Ganz explizit sagt sie rechten Kräften in Europa den Kampf an, Europa werde bedroht von den Orbans und Salvinis. „Wir stehen für ein Europa der Solidarität und des Miteinanders“, so Keller. „Zusammen sind wir viele, gemeinsam sind wir stark“ Mit 87 Prozent wird sie auf Platz 1 gewählt.

 

Sven Giegold, der Kämpfer

Der linke Grüne, „sehr verheiratet“ und zwei Kinder, wie in seinem Lebenslauf steht, war der Mitbegründer von Attac Deutschland und gehört seit 2009 dem Europaparlament an. „Die Europawahl ist eine der letzten wichtigen Wahlen, die noch rechtzeitig kommt, um das Ruder herum zu reißen“, sagt Giegold. „Das wird ein Schicksals-Jahrzehnt“. Europa müsse jetzt vorangehen, um die Wende beim Klimaschutz zu schaffen.

„Deutschland ist nicht Opfer, sondern Gewinner der europäischen Einigung“, das will er jedem einhämmern. Doch er will Europa nicht so weitermachen wie heute. Der wirtschafts- und finanzpolitische Sprecher der Fraktion will erst dann Ruhe geben, wenn Steuern da bezahlt werde, wo Einkommen und Gewinne erwirtschaftet wurden.

Dafür erntet er viel Beifall auf dem Parteitag. Er spricht sich für ein Europa der sozialen Sicherheit aus. Und er will sich mit der Chemielobby anlegen. Fast 30 Prozent der Kinder in Deutschland hätten mittlerweile Kreidezähne. Giegold wird mit fast 98 Prozent gewählt, einem für grüne Verhältnisse außergewöhnlich gutem Ergebnis.

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