Gewaltausbruch auf Guadeloupe

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Deutsche Presse-Agentur

Gut vier Wochen nach Beginn eines Generalstreiks auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe hat es bei Ausschreitungen ein erstes Todesopfer gegeben. Ein Gewerkschafter wurde am Mittwoch im Auto an einer von Jugendlichen errichteten Straßensperre von einem Schuss getroffen.

Die französische Regierung verurteilte dies und rief zur Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf. Das Innenministerium richtete eine tägliche Krisensitzung ein. Ein außerordentlicher Ministerrat werde sich in den kommenden Tagen mit der Lage in dem Überseegebiet befassen, sagte ein Regierungssprecher.

In der Nacht zu Mittwoch wurden auf Guadeloupe außerdem mindestens sechs Polizisten durch Schüsse verletzt. Mehrere Geschäfte wurden geplündert und in Brand gesetzt. Demonstranten errichteten zahlreiche Straßensperren. Die französische Fluggesellschaft Air France strich mehrere Flüge.

Gewerkschaftsführer Elie Domota warf der Regierung die Unterdrückung der Proteste vor. „Sie schicken Charterflüge voller Polizisten, um den Negern eins draufzugeben“, sagte er der Zeitung „Libération“. Er rief die Demonstranten aber dazu auf, Ruhe zu bewahren und sich nicht provozieren zu lassen.

Auslöser der sozialen Unruhen waren die hohen Lebenshaltungskosten auf der Inselgruppe. Die französischen Überseegebiete werden vom Festland subventioniert. Die eigene Wirtschaft ist kaum entwickelt, der Tourismus ist Haupteinnahmequelle. Zahlreiche Produkte werden importiert. Die Proteste richten sich zunehmend auch gegen die ungleiche Verteilung der Reichtümer zwischen der zum Teil weißen Oberschicht und der mehrheitlich schwarzen oder dunkelhäutigen Bevölkerung. Mittlerweile hat sich die Protestbewegung auf weitere Überseegebiete ausgeweitet.

Präsident Nicolas Sarkozy will am Donnerstag die Abgeordneten aus den Überseegebieten im Élysée empfangen. Er hatte zudem eine gesonderte Ministerrunde angekündigt, die sich mit der Krise befassen soll. Nach Informationen der Zeitung „Libération“ hat die Regierung zusätzliche Polizeieinheiten nach Guadeloupe verlegen lassen. Ein Regierungssprecher wollte dies nicht kommentieren.

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