Chefvisite: Corona-Zahlendebakel ohne Ende

Schwäbische Zeitung

Scharfe Kritik am „Zahlendebakel“ in den Gesundheitsämtern übt der Chef der Essener Uniklinik, Professor Jochen A. Werner: „Selbst in dieser entscheidenden Phase der dritten Welle bekommen wir keine belastbaren Zahlen vom RKI, weil einige Gesundheitsämter über Wochenende und Feiertage nicht fristgerecht melden“, rügt Werner bei „19 – die Chefvisite“.

Es werde „akzeptiert, dass für Präzision stehende Zahlen unvollständig sind und Schwächen haben – seit einem Jahr“, so der Mediziner. An diesem Blindflug drohe auch der von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) angeregte „Brücken-Lockdown“ zu scheitern. Denn durch das Desaster sei unklar, wie sich die Pandemie tatsächlich entwickele. Zudem könne nicht sichergestellt werden, dass nach einem von Laschet auf zwei bis drei Wochen Dauer angesetzten harten Lockdown die digitale Nachverfolgung von Infektionsketten wirklich funktioniere.

Mehr Handwerker und Selbstständige beim Pfandleiher

Von einem Wandel seiner Kundschaft durch die Krise berichtet der Münchner Pfandleiher Thomas Käfer in der Sendung: „Es kommen viele Freiberufler, Selbstständige und Handwerker“, so Käfer. Sie nutzten in guten Zeiten erworbene Luxus-Uhren, Krügerrand-Münzen oder „der Goldschmuck der Ehefrau, um Liquiditätsprobleme zu lösen“.

Der Besuch in seinem Ladengeschäft sei für die meisten „kein einfacher Gang, es ist ihnen sichtlich unangenehm – aber sie haben keine Wahl“, sagt Käfer mit Blick auf die zögerliche Auszahlung staatlicher Hilfsgelder. Auch erhielten insbesondere kleine Selbstständige oftmals keine Kredite, weil „ihre Bilanzen nicht den Standards der Bankenwelt entsprechen“.

Rund jeder vierte Franzose ist geschützt

Frankreich befindet sich seit gestern Abend im dritten harten Lockdown – „vier Wochen Zähne zusammenbeißen“ laute die Devise von Präsident Emmanuel Macron, wie der Journalist und Frankreich-Korrespondent Peter Heusch im Videocast sagt. Die Hoffnung ruhe dabei auf dem Impfen, das ähnlich schleppend gestartet sei wie in Deutschland.

Zurzeit seien zwischen 20 und 25 Prozent der Franzosen durch Impfung oder Infektion gegen Covid geschützt. Bis Anfang Mai „sollen zehn Millionen Impfungen dazukommen“. Die dazu nötigen Impfstoffe würden jetzt schneller geliefert. Und: „Jeder impft, der eine Spritze halten kann“, sagt Heusch und zählt neben Medizinern, Tierärzten, Hebammen und Apothekern auch Militärs und Feuerwehrleute auf.

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