Gazastreifen: Warum die Grenzen so stark überwacht sind

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Soldaten auf der israelischen Seite der Grenze zum Gazastreifen – nahe Gaza-Stadt.
Soldaten auf der israelischen Seite der Grenze zum Gazastreifen – nahe Gaza-Stadt. (Foto: afp)
Redakteur Politik

Der Gazastreifen grenzt über 52 Kilometer Länge an Israel und über zwölf Kilometer an Ägypten. Das 360 Quadratkilometer große, von 1,8 Millionen Menschen bewohnte Gebiet steht seit dem Abzug israelischer Truppen im Jahr 2005 unter der Kontrolle der Palästinenser. Seit 2007 regiert ihn die radikalislamische Terrororganisation Hamas.

Die Grenzen zum Gazastreifen gehören zu den am stärksten überwachten der Welt. Der Grenzübertritt ist nur über ausgewiesene Übergänge möglich. Der einzige Übergang zwischen Ägypten und dem Gazastreifen liegt nahe der Stadt Rafah. Doch er ist seit Jahren fast ununterbrochen gesperrt und wird nur zeitweise geöffnet – und dann auch nur für Personen und nicht für Güter.

Der Grenzübergang nach Israel ist an vier Kontrollpunkten möglich. Am wichtigsten ist der Übergang von Kerem Shalom: Er ist der einzige, über den Waren, Treibstoff und humanitäre Güter in den Gazastreifen gelangen. Militante Palästinenser haben ihn aber im Mai schon dreimal in Brand gesetzt, die israelische Regierung hat in daraufhin mehrmals geschlossen.

Die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Israel wurde zwischen 1994 und 1996 mit einem Zaun befestigt – auf Grundlage des Oslo-Abkommens zwischen Israel und der palästinensischen Dachorganisation PLO. Die israelische Regierung begründet die Notwendigkeit der Grenzanlagen mit dem wiederholten Eindringen von Terroristen – die in Israel auch Attentate verübten – und dem Schmuggel von Waffen nach Israel. Seit 2006 haben Palästinenser immer wieder Tunnel unterhalb der Sperranlagen gebaut. 2006 gelangten so auch zwei Terroristen nach Israel, töteten zwei Soldaten und entführten einen anderen. 2013 entdeckte die israelische Armee mehrere Tunnel, zwei davon mit Sprengstoff gefüllt. Daher will Israel die Grenzanlagen bis 2019 um eine unterirdische Mauer ergänzen. Umgeben ist die Grenze von einer 200 bis 300 Meter breiten Sicherheitszone, die Israel verhängt hat. In den vergangenen Jahren haben israelische Soldaten Dutzende militante Palästinenser – aber auch Zivilisten – getötet, die sich in der Sicherheitszone aufhielten.

Die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten ist noch stärker abgeriegelt als die zu Israel – mit einer Stahlmauer. Die ägyptische Regierung begann im Jahr 2009 mit deren Bau und begründete ihn, ähnlich wie die israelische Regierung, mit Grenzübertritten von Terroristen und Schmugglern.

Da auch in Richtung Ägypten Tunnel genutzt wurden, um die Grenze zu überwinden, reicht die ägyptische Grenzmauer 20 Meter unter die Erde. Trotzdem versucht insbesondere die Hamas immer wieder, tiefe Tunnel in Richtung Ägypten zu bauen. Allein im Jahr 2017 zerstörte die ägyptische Armee nach eigenen Angaben 63 solcher Tunnel. Der Schmuggel von Waffen findet vor allem von Ägypten aus in den Gazastreifen statt. 2013 sollen islamistische Terroristen der Gruppe Ansar Bait al-Maqdis nach Attentaten in Ägypten in den Gazastreifen geflohen sein.

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