Friedensnobelpreis: Eine wichtige und wirksame Auszeichnung

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Hendrik Groth

Der Friedensnobelpreis genießt das höchste internationale Renommee. Wer ihn gewinnt, kann sich sicher sein, in die Geschichtsbücher der meisten Nationen dieser Erde aufgenommen zu werden und das inklusive eines gewissen Heiligenscheins. Je nach der innen- oder außenpolitischen Lage kann die Auszeichnung sodann zu Hause genutzt werden – und das zum Guten wie zum Schlechten.

In der jüngsten Zeit wurden die Entscheidungen des Nobelpreiskomitees öfters scharf kritisiert. Tatsächlich blieb ein Beigeschmack, als der damalige US-Präsident Barack Obama gleich zu Beginn seiner Amtszeit bedacht wurde. Im Vorgriff auf seine Politik mutete der Friedensnobelpreis eher wie ein ungedeckter Wechsel auf die Zukunft an. Dass Myanmars starke Frau Aung San Suu Kyi Jahre nach der Preisverleihung Hunderttausende Rohingya vertreiben ließ, konnten die Norweger zum Zeitpunkt ihrer Wahl nicht wissen. Dass auch der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger oder der spätere Palästinenserpräsident Jassir Arafat mit dieser Ehre beglückt wurden, erzürnte viele.

Und dennoch: Anders als bei den anderen Nobelpreisen müssen die Komitee-Mitglieder mit einer ganzen Reihe von Unwägbarkeiten klarkommen und sich auf Widerspruch gefasst machen. Beim Friedensnobelpreis geht es nicht um messbare, wissenschaftliche Erkenntnisse. Es geht nicht um eine schöne, kraftvolle Sprache, es geht um realen Fortschritt oder die Möglichkeit, mit der Verleihung eine Person oder eine Organisation zu ermutigen, die Welt auf die eine oder andere Weise zu verbessern.

Vielleicht wird heute erneut Stirnrunzeln angesagt sein, aber die Wirksamkeit dieses Preises sollte nicht gering geschätzt werden. Wahrscheinlich sind in der Begründung mehr als 280 Twitter-Zeichen notwendig, mit denen ansonsten US-Präsident Donald Trump die Welt erklärt. Der Friedensnobelpreis kann eine Antwort auf eine solche gefährliche Pauschalierung und Vereinfachung von Politik sein. Alleine das macht ihn wertvoll.

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