Festnahmen in Affäre um„NSU 2.0“-Droh-Mails

Lesedauer: 4 Min
ARCHIV - Ein Polizist steht am 28.06.2011 in Kaaaln auf dem Schulhof des Gymnasiums Kreuzgasse. Handschellen, Pistole, Schlagsto
Festnahmen wegen „NSU 2.0“-Droh-Mails. (Foto: Oliver Berg / dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Im Zusammenhang mit der Affäre um rechtsextreme Drohmails haben Ermittler eine Wohnung im bayerischen Landshut durchsucht und zwei Personen vorübergehend festgenommen. Das teilte die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Montag mit.

Das Ehepaar werde verdächtigt, "mehrere E-Mails mit beleidigenden, volksverhetzenden und drohenden Inhalten an Bundestagsabgeordnete und verschiedene andere Adressaten verschickt zu haben".

Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt handelt es sich um einen ehemaligen bayerischen Polizisten und dessen Ehefrau. Da kein Haftbefehl ausgestellt wurde, befinden sich der 63-jährige Mann und die 55-jährige Frau wieder auf freiem Fuß.

Drohmails an Abgeordnete und Zentralrat der Muslime

So waren jüngst Drohmails mit dem Absender "NSU 2.0" auch an mindestens drei Abgeordnete der Linken im Bundestag verschickt worden. Dabei hatte es sich um Fraktionschefin Amira Mohamed Ali sowie Sevim Dagdelen und Gökay Akbulut gehandelt - wie auch mehrere Grünen-Abgeordnete, darunter Fraktionschef Anton Hofreiter. 

Hessens Linken-Fraktionschefin und Bundesvize Janine Wissler hatte ebenfalls mehrfach Drohmails mit der Unterschrift „NSU 2.0“ erhalten. Ihre persönlichen Daten wurden zuvor über einen hessischen Polizeicomputer abgefragt.

Hessische Polizei im Fokus

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, Anne Helm, war per Mail ebenfalls mit dem Tode bedroht worden. Nach Angaben Helms enthielt auch das an sie gerichtete Schreiben persönliche Daten, die nicht ohne weiteres recherchierbar sind. Das sei „besonders beunruhigend“, sagte sie der „Berliner Morgenpost“. 

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Grün, betonte, es gebe keine Anhaltspunkte für ein hessenweites rechtes Netzwerk bei der Polizei. Diese Vorfälle würden aber einen sehr dunklen Schatten auf die gesamte Polizei in Hessen werfen.

Die ebenfalls von mehreren Drohschreiben betroffene Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz kritisierte unterdessen den Innenminister scharf und warf ihm Untätigkeit vor. Er habe sich nie bei ihr oder ihrer Familie gemeldet, erklärte Basay-Yildiz.

Abfragen vom Polizei-Computer

Die Anwältin hatte im Münchner Prozess um die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) Opferfamilien als Nebenklägerin vertreten. Wie auch im Fall Wisslers wurden vor Versendung der Drohmails mit der Unterschrift „NSU 2.0“ persönliche Daten von Polizeicomputern abgefragt.

Auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, erhielt nach eigenem Bekunden eine Morddrohung. Die Nachricht sei unterzeichnet gewesen mit den Worten "Heil Hitler Dein NSU 2.0", wie Mazyek vergangene Woche auf Twitter erklärte. Ihm und seiner Familie sei Vernichtung angedroht worden. "Das ist eine feige Straftat, die natürlich zur Anzeige geht."

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen

Leser lesen gerade