FDP-Mann Kemmerich: Ministerpräsident von Höckes Gnaden

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Ministerpräsidentenwahl Thüringen
Thomas Kemmerich: Der erste FDP-Ministerpräsident seit den 1950er-Jahren in Deutschland ist einer von Gnaden der AfD. (Foto: Michael Reichel / dpa)

Der erste FDP-Ministerpräsident seit den 1950er-Jahren in Deutschland ist einer von Gnaden der AfD.

Die Höcke-Truppe hat die demokratischen Parteien im Landtag vorgeführt – mit einer Finte. Sie hat den eigenen Kandidaten auch im dritten Wahlgang ins Rennen geschickt und dann – mutmaßlich – geschlossen für den Mitbewerber von der FDP gestimmt.

Sie wird sich nun damit brüsten, einen linken Ministerpräsidenten, den - Zitat Höcke - "Kryptokommunisten Bodo Ramelow", verhindert zu haben und eine vermeintliche bürgerliche Mehrheit organisiert zu haben.

Dabei ist an der AfD gar nichts bürgerlich. Die Partei, die in Teilen vom Verfassungsschutz beobachtet wird und dessen Thüringer Parteichef Björn Höcke laut Gerichtsbeschluss als Faschist bezeichnet werden darf, hat die Politik in dem Bundesland entscheidend beeinflusst.

Verkalkuliert haben sich die bisherigen rot-rot-grünen Regierungspartner, die trotz fehlender Mehrheit weitermachen wollten wie bisher.

Aber die FDP muss sich fragen lassen, was Sie mit dem ihr zugefallen Amt nun anstellen will. Für die Partei, die sich als liberal versteht, ist die Wahl von Thomas Kemmerich gefährlich.

Die Partei hat sich lange bemüht, vom Vorwurf loszukommen, sie hänge um jeden Preis an der Macht. Der Preis, den sie nun zahlen muss, könnte sie aber teuer zu stehen kommen.

Denn: Sich mit Hilfe von Rechtspopulisten an die Macht wählen zu lassen, ist eines ganz sicher nicht – liberal.

Dass sich der Thüringer CDU-Chef Mike Mohring nun hinstellt und von dem neuen Ministerpräsidenten eine „Abgrenzung zur AfD“ erwartet, kann man nur irritiert zur Kenntnis nehmen.

Woher sonst soll denn die neue Minderheitsregierung ihre Mehrheit holen? Von Rot-Rot-Grün wohl kaum.

Bleibt die AfD, die sich damit ein Stück weiter unersetzlich macht – mit besten Grüßen an die FDP.

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