Fachkräfte kosten Geld – auch in der Pflege

Lesedauer: 3 Min
Gut angelegtes Geld
Gut angelegtes Geld (Foto: Roland Rasemann)

Merkel-Kritiker, Möchtegern-Nachwuchskanzler – und nun: emsiger Gesundheitsminister im Kampf gegen den Pflegenotstand. Ob Jens Spahn lediglich sein Ehrgeiz oder die aufrichtige Sorge um Pflegebedürftige treibt, ist allerdings zweitrangig. An erster Stelle geht es darum, endlich den Pflegenotstand in Deutschland anzugehen. Dieses Thema steht seit Jahren auf der Agenda diverser Gesundheitsminister, nur passiert ist recht wenig – mochten die Fachleute noch so laut klagen. Spahns Vorgänger Hermann Gröhe hat zwar immerhin die Demenzerkrankten in der Pflegeversicherung bessergestellt, aber das Vorhaben, mehr Personal für die Pflege zu gewinnen, nicht zu Ende gebracht.

Nun sollen Millionen aus der gesetzlichen Krankenversicherung fließen, um 13 000 Stellen in der stationären Altenpflege zu schaffen. Und auch in Krankenhäusern soll die Situation der Pfleger verbessert werden. Dies zeigt vor allem eines: Die Bundesregierung hat verstanden, dass gute Pflege etwas kostet, weil Pflegefachkräfte diesen anspruchsvollen Beruf nicht für Gotteslohn machen. Diese Erkenntnis kommt zwar spät, aber hoffentlich nicht zu spät, um der stetig steigenden Zahl von Pflegebedürftigen gerecht werden zu können. Denn in dieser Branche geht es schließlich nicht um Produktionseinbußen, weil Fachkräfte fehlen, sondern um betagte Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind.

Natürlich werden die Vorhaben, die am Mittwoch auf den Weg gebracht wurden, den Pflegenotstand nicht von heute auf morgen entschärfen. Viele Fragen bleiben offen: Woher sollen beispielsweise die 13 000 zusätzlichen Pfleger kommen, wenn hierzulande die entsprechenden Bewerber fehlen und die bürokratischen Hürden für Fachkräfte aus dem Ausland hoch sind. Und was wird der Gesundheitsminister dafür tun, um die Kosten für Heimbewohner nicht noch weiter aus dem Ruder laufen zu lassen? Spahn wird ein dickes Fell brauchen, wenn er diese Aufgaben angehen will. Doch mit Blick auf voraussichtlich 3,4 Millionen Pflegebedürftige im Jahr 2030 sollte er ehrgeizig bleiben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen