Für Macron wird es ungemütlich

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Präsident Emmanuel Macron hat seinen Sicherheitsbeauftragten entlassen – doch der Fall verfolgt ihn weiter.
Präsident Emmanuel Macron hat seinen Sicherheitsbeauftragten entlassen – doch der Fall verfolgt ihn weiter. (Foto: afp)
Agenturen

Der Saal 6242 im zweiten Untergeschoss der französischen Nationalversammlung war dicht besetzt, als am Montagmorgen um zehn Uhr die Befragung von Innenminister Gérard Collomb begann. Nicht alle Abgeordneten des Untersuchungsausschusses hatten ein Mikrofon, um Collomb Fragen zu stellen. Dabei wollten die Parlamentarier von dem 71-Jährigen viel wissen, nachdem in der vergangenen Woche die Affäre um Alexandre Benalla bekannt geworden war, den inzwischen entlassenen Sicherheitsbeauftragten von Emmanuel Macron.

Benalla hatte bei der Pariser Maikundgebung als Beobachter der Polizei auf eigene Faust auf einen Demonstranten eingeprügelt. Als oberster Polizist Frankreichs hätte Collomb eigentlich Antworten liefern müssen, wie das passieren konnte. Doch der frühere Bürgermeister von Lyon besaß erschreckend wenig Informationen über den früheren Bodyguard.

„Ich habe ihn getroffen, aber ich wusste nicht, dass er Sicherheitsberater des Präsidenten war“, versicherte Collomb. Der Ex-Sozialist, der sich als erster prominenter Politiker schon 2016 dem späteren Präsidentschaftskandidaten Macron angeschlossen hatte, belastete den Staatschef. Er habe am Nachmittag des 2.Mai von dem heiklen Video erfahren, das Benallas Ausschreitungen zeigt, sagte er. Er habe daraufhin das Präsidialamt informiert. Als von dort die Ansage kam, dass Maßnahmen ergriffen würden, war die Sache für Collomb zunächst erledigt. „Ich war der Ansicht, dass die gemeldeten Ereignisse auf der passenden Ebene behandelt wurden und habe mich deshalb nicht mehr um das Thema gekümmert.“

Der Präsident selbst versammelte am Wochenende seine wichtigsten Minister um sich, um einen Ausweg aus der Krise zu finden. Der Präsident verurteile das „schockierende und nicht hinnehmbare Verhalten“, ließ der Elysée hinterher mitteilen. Der Vorfall habe „Funktionsstörungen“ im Präsidentenpalast gezeigt, die nun mit Reformen behoben werden sollen. Ob und wann Macron sich zu dem Skandal äußern wird, ließen seine Mitarbeiter offen.

Benalla verteidigte am Montag seine Prügelattacke. Er habe der Polizei lediglich helfen wollen, ließ er über seine Anwälte erklären. Der 26-Jährige führte aus, er habe bei der Kundgebung „zwei besonders heftig agierende Individuen“ ausgemacht und dabei helfen wollen, „diese Personen unter Kontrolle zu bringen“.

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