Experte rechnet mit Merkel als Kanzlerin bis 2021

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Prof Werner Weidenfeld Muenchen 28.07.15 Bayerischer Hof Sommerfest Volkhardt



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Prof Werner Weidenfeld Muenchen 28.07.15 Bayerischer Hof Sommerfest Volkhardt Prof Werner Weidenfeld Munich 28 07 15 Bavarian Yard Summer Festival Volkhardt (Foto: imago stock&people)
Schwäbische Zeitung

Die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine Zukunftsbegeisterung in der Partei ausgelöst – die Herausforderung wird sein, diese am Leben zu halten. Das sagte der Münchener Politikwissenschaftler und Direktor des Centrums für angewandte Politikwissenschaften, Werner Weidenfeld (Foto: Imago), im Gespräch mit Ralf Müller.

Herr Professor Weidenfeld, ist die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer eine Fortsetzung der Ära Merkel?

Nein. Bei aller Übereinstimmung auf vielen Feldern ist Frau Kramp-Karrenbauer kein Abziehbild von Frau Merkel. Für die CDU hat es in den letzten Monaten einen atmosphärischen Höhenflug, einen Aufbruch in die neue Zeit gegeben. Auf dem Parteitag hat Frau Kramp-Karrenbauer die Seele der CDU besonders intensiv gestreichelt, was garantiert zu ihrem Sieg beigetragen hat. Sie hat eine Zukunftsbegeisterung in der Partei ausgelöst. Die Herausforderung bleibt jetzt, das auf dieser Ebene zu halten. Die Rede von Kramp-Karrenbauer war rhetorisch und inhaltlich ein Volltreffer. So hält man eine Rede, wenn man Delegiertenstimmen gewinnen will. Die Delegierten konnten sagen: Ja, das ist eine von uns. So fühlen wir doch auch. Sie kennt die Partei von innen. Sie hat die Partei auch von innen verkostet. Das spürt man. Dagegen war die Rhetorik von Merz viel schärfer und härter.

Wäre Merz mit seinem schärferen Profil erfolgreicher bei Wahlen gewesen?

Mit dieser ihrer Art hat Frau Kramp-Karrenbauer Wahlen gewonnen. Sie hat nachgewiesen, dass sie Wahlen gewinnen kann. Sie wird sich bemühen, dass ihre Gegenkandidaten die CDU in spürbarer Form mit vertreten. Das würde ich ihr auch raten, denn was man in Hamburg an Höhenflug erlebt hat, ist ja nicht das Werk einer einzelnen Person. Der Wettbewerb, die Art der Diskussion, die dabei vorgebrachten Ideen – man könnte fast sagen, das Trio AKK/Merz/Spahn war eine Art Gesamtkunstwerk. Davon muss man auch in Zukunft etwas spüren.

Vielen in der CSU wäre Friedrich Merz als CDU-Chef lieber gewesen. Wie wird die Schwesterpartei mit Kramp-Karrenbauer in Zukunft zurecht kommen?

Ich habe von Anfang an gesagt, Kramp-Karrenbauer und nicht Merz wäre für die CSU am angenehmsten. Denn Merz hat eine ganz scharfe Form der Pointierung und Rhetorik, mit der man sich schnell in Konflikte verstricken kann. Bei ihm klingt ein Hauch Seehofer mit, was provoziert. Je nach Thema wäre die CSU mit Merz provoziert worden, während Frau Kramp-Karrenbauer sehr viel weicher und kompromissbereiter im Umgang ist. Sie hat eine soziale Komponente, welche die CSU ja auch hat. Im Alltag wäre es für die CSU mit Merz komplizierter geworden.

Werden wir Kramp-Karrenbauer als Kanzlerin sehen – schon vor Ende der Legislaturperiode?

Am Ende der Legislaturperiode – ja. Es gibt jetzt eine gute Lösung für die Koalitionspartei CDU, aber es gab am Freitag auch einen guten Auftritt der Kanzlerin. Frau Merkel hat eine Art historische Bilanz aufgemacht. Die Delegierten waren stolz, dass sie dabei waren. Warum soll man das jetzt in irgendwelche Streitlöcher fallen lassen? Merkel wird bis zum Ende durchmachen und gut kooperieren mit der Parteivorsitzenden. Die Hauptbotschaft von Freitag war: Dieser Geist von Hamburg darf nicht das Ende, sondern muss der Anfang einer Entwicklung sein.

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