Ex-Bundestagspräsident Jenninger gestorben

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Schwäbische Zeitung
AFP/dpa/sz

Der früherere Bundestagspräsident Philipp Jenninger ist tot. Der CDU-Politiker starb am Donnerstag im Alter von 85 Jahren. Das teilte der Bundestag auf seiner Internetseite mit. Jenninger, der 1932 in Rindelbach/Jagst  (Ostalbkreis) geboren wurde, war von 1984 bis 1988 Präsident des Deutschen Bundestages.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte am Freitag, Jenninger habe die deutsche Politik über viele Jahre in herausgehobenen Positionen maßgeblich mitbestimmt. „Ich habe Philipp Jenninger, mit dem ich eng, freundschaftlich und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, dabei als einen leidenschaftlichen Abgeordneten erlebt und ihn als überzeugten Demokraten sehr geschätzt.“

Seine Kindheit verbrachte Jenninger streng katholisch erzogen in Rindelbach/Jagst, bevor er 1952 am Peutinger-Gymnasium in Ellwangen Abitur machte. 1969 wurde er für den Wahlkreis Hohenlohe in den Bundestag gewählt - bis 1990. Zwischen 1984 und 1988 bekleidete er das formal zweithöchste Amt im Staat. Er trat nach einer missverständlich formulierten Gedenkrede zu den Pogromen vom November 1938 zurück. Die Rede hatte national und international eine Welle der Empörung ausgelöst.

Internationale Empörung

Ohne erkennbare Distanzierung hatte er auf das Vokabular der Nazis zurückgriffen und zugleich zur Scham der Abgeordneten auf „das von der Welt ungläubig bestaunte deutsche Wirtschaftswunder“ nach dem Krieg hingewiesen. Er sorgte damit national wie international für Empörung, zog die Konsequenzen und trat zwei Tage später zurück.

Jahre später sagte der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, dem „Tagesspiegel“, Jenninger habe „eine über weite Strecken hervorragende Rede einfach nur rhetorisch miserabel gehalten“. Schäuble erklärte am Freitag dazu, es spreche für Jenningers „großes Verantwortungsgefühl“, dass er damals „nach einem schmerzhaften Missverständnis für sich politische Konsequenzen zog“.

Zuletzt Botschafter in Wien

Nach seinem Rücktritt blieb Jenninger zwar weiter Bundestagsabgeordneter, meldete sich aber tief getroffen über seinen jähen Sturz im Plenum nicht mehr zu Wort. Bei der Bundestagswahl 1990 verzichtete er dann auf sein Mandat und wurde im Januar 1991 für vier Jahre deutscher Botschafter in Wien.

Von Mai 1995 bis zu seiner Pensionierung im Juni 1997 war er noch Botschafter im Vatikan in Rom. Danach wurde es still um ihn. Schäuble kondolierte Jenningers Witwe persönlich in einem Telefonat.

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