Erschütterndes Geständnis im Kirk-Prozess

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Deutsche Presse-Agentur

Geständnis im Prozess um den Tod des Hamburger Schülers Kirk: Rund vier Monate nach Verfahrensbeginn hat einer der drei Angeklagten am Dienstag sein Schweigen gebrochen und vor dem Landgericht erstmals über Details des aufsehenerregenden Verbrechens berichtet.

„Das ging alles ganz schnell. Es dauerte höchstens zwei bis drei Minuten, dann lief er (Kirk) blau an“, erzählte der ruhig und höflich wirkende 22-Jährige über den Todeskampf des Schülers. Seine Mitangeklagten im Alter von 21 und 20 Jahren beschuldigte er schwer. Sie hätten Kirk bei einem zunächst ruhigen Treffen plötzlich angeschrien und geschlagen. Der 21-Jährige habe Kirk dann mit einem Spanngurt erwürgt. Die Leiche des 17-Jährigen sollen die Angeklagten auf einer illegalen Müllkippe verbrannt haben.

Er selbst habe den 21- und den 20-Jährigen bei der eskalierenden Auseinandersetzung noch von dem Opfer wegziehen wollen, sagte der 22- Jährige: „Aber die haben mich nicht beachtet. Beide waren sehr aggressiv.“ Wenig später habe er dem noch lebenden Kirk allerdings von sich aus ein Stück Zwiebel in den Mund gestopft und dessen Beine festgehalten, räumte er ein. Er habe Angst gehabt, dass der sich heftig wehrende Schüler etwas beschädigen oder die Nachbarn alarmieren könnte. Daher habe er ihn ruhig stellen wollen. „Es tut mir wirklich leid“, sagte der Angeklagte zu Kirks still vor sich hin weinender Mutter, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftritt.

Seit Oktober müssen sich die drei jungen Männer in dem Verfahren gemeinsam wegen Totschlags verantworten, weil sie den 17-Jährigen am Abend des 15. April 2008 in der elterlichen Wohnung des 22-Jährigen in Hamburg-Billstedt getötet und die Leiche verbrannt haben sollen. Das Verbrechen und die Verbrennung der Leiche hatten für großes Entsetzen gesorgt. Die genauen Hintergründe des Verbrechens sind bislang noch größtenteils unklar. Die Staatsanwaltschaft ging in ihrer Anklage davon aus, dass es bei dem tödlichen Streit um vergleichsweise geringe Schulden von Kirk aus Drogengeschäften mit einem oder mehreren Angeklagten ging.

In seinem Geständnis stützte der 22-Jährige diese Version. Kirk habe ihm auf dem Weg zu dem tödlichen Treffen gesagt, er habe „ein paar Euro“ Schulden bei dem 21-Jährigen. „Er hat nicht gesagt, wie viel.“ Die anderen Angeklagten, mit denen er befreundet gewesen sei, hätten ihm zuvor berichtet, mit Kirk „etwas klären“ zu wollen. Der 22-Jährige ist der bislang einzige Angeklagte, der vor Gericht aussagte. Die Richter hatten ihm vorher zugesichert, ihn im Gegenzug für einen „glaubhaften“ Beitrag zur Tataufklärung höchstens zu einer Haftstrafe von zehn Jahren zu verurteilen.

Die Anklage stützte sich bisher maßgeblich auf Angaben, die der 20 Jahre alte Mitangeklagte kurz nach der Tat bei der Polizei gemacht hatte. Dieser hatte sich selbst gestellt und in Vernehmungen die beiden Älteren beschuldigt. Für sich reklamierte er eine Nebenrolle und behauptete, den Tatort frühzeitig verlassen zu haben. Er war so nur wegen Totschlags durch Unterlassen angeklagt worden, weil er Kirk angeblich nicht half.

In seinem Geständnis wies der 22-Jährige dessen Darstellung nun zurück. Dieser habe eine zentrale Rolle gespielt, Kirk misshandelt und während der Erdrosselung festgehalten, sagte er. Nach Angaben des Verteidigers des 22-Jährigen war dies auch das Motiv für das späte Geständnis. Sein Mandant wolle verhindern, dass der 20-Jährige seinen Tatbeitrag mit falschen Aussagen verschleiere, sagte Anwalt Matthias Domsch: „Er wollte, dass die Wahrheit auf den Tisch kommt.“

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