Elektroräder statt Kleinlastwagen: Wie die Paketzustellung in Innenstädten umweltfreundlich werden soll

Lesedauer: 3 Min
 Auf Lastenrädern sollen Logistikunternehmen besonders in Stadtzentren Zulieferungen übernehmen.
Auf Lastenrädern sollen Logistikunternehmen besonders in Stadtzentren Zulieferungen übernehmen. (Foto: dpa)
Michael Gabel

Es ist ein Anfang, aber nur ein sehr zaghafter: Fünf Lastenrad-Fahrer sind seit knapp einem Jahr in der Berliner Innenstadt unterwegs, um in Teilen der Hauptstadtbezirke Prenzlauer Berg und Mitte Pakete umweltfreundlich zu den Kunden zu bringen. Es gehe um die letzte Liefermeile, sagen die Initiatoren des Pilotprojekts, das vom Bundesumweltministerium gefördert wird, also um den Weg direkt zur Haustür der Kunden.

Anlaufstelle für die E-Bike-Fahrer ist ein zentrales Lager, in dem die fünf großen Zustellunternehmen DHL, UPS, Hermes, GLS und DPD ihre Pakete bereitstellen. Von diesen Mikro-Depots aus werden die Sendungen dann in einem Umkreis von 500 bis 1000 Metern verteilt. Angeblich schaffen die Boten mit ihren Lastenrädern genauso viele Lieferungen, als wenn sie mit Kleinlastern unterwegs wären. In anderthalb Wochen will das Ministerium eine Auswertung des Projekts vornehmen und entscheiden, ob es fortgesetzt oder sogar ausgeweitet wird.

Das Modell hat jedoch einen Haken: Um eine echte Kooperation der Zustellfirmen handelt es sich nicht. Denn jeder Bote liefert nur die Pakete seiner eigenen Firma aus, obwohl eine gemeinsame Logistik wesentlich cleverer wäre. Auch das Deutsche Institut für Urbanistik verweist darauf, dass „aus kommunaler Sicht anbieterübergreifende Konzepte elementar“ seien.

Weitere Schwierigkeiten sehen Experten darin, dass es gerade in Innenstädten oftmals nicht leicht ist, geeignete Flächen für die Mikro-Depots zu finden. Das sei aber wichtig, heißt es in der Studie des Instituts für Urbanistik. Denn „die Schaffung von vielen kleinen Verteilzentren“ sei „ein Schlüssel für die betriebliche und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Ansatzes“.

Erste positive Effekte in München

Ähnliche Projekte wie in Berlin gibt es bereits unter anderem in Hamburg und in München. Das Institut für Urbanistik sieht im Münchner Stadtzentrum erste positive Effekte – vor allem weil durch die Nutzung der E-Lastenräder Luftschadstoffe und Treibhausgase vermieden würden. Auch hätten Anwohner den Mikro-Depot-Ansatz zum großen Teil positiv bewertet. Und im Hinblick auf die drohenden Diesel-Fahrverbote seien die E-Bikes sowieso eine echte Alternative.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen