„Dein Jahr für Deutschland“ ist eine Chance für die Bundeswehr

Eine Chance für die Bundeswehr, kommentiert Ludger Möllers.
Eine Chance für die Bundeswehr, kommentiert Ludger Möllers. (Foto: David Inderlied/dpa/Rasemann)
Reporter "Seite Drei"

Militärische Ausbildung für den Heimatschutz im Krisenfall, die Entlastung von Einheiten, die in den Auslandseinsatz gehen, „helfende Hände“ wie jetzt bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie oder die Hilfe im Krisen- und Katastrophenfall.

Die Frauen und Männer, die in diesen Tagen den neuen Freiwilligendienst antreten, können die Armee an vielen Stellen im Alltagsbetrieb unterstützen. Vor allem Soldaten, die ins Ausland geschickt werden, freuen sich, dass sie nach einem Jahr an der Corona-Front ihre Vorbereitung auf den Einsatz in Mali, Afghanistan oder auf See wieder aufnehmen können.

Soziale Kontrolle war gegeben

Neben der operativen Stärkung der Bundeswehr dürften andere Effekte wichtig werden, deren Relevanz erst nach der überstürzten Aussetzung der Wehrpflicht sichtbar wurde: Jahrzehntelang war die Truppe allein deswegen gesellschaftlich präsentes Gesprächsthema in Familien, weil an jedem Wochenende die Söhne vom „Bund“ erzählten.

Nachwuchs für die Laufbahnen der Unteroffiziere und Offiziere rekrutierte sich häufig aus Reihen jener Wehrpflichtigen, die sich länger verpflichteten, weil ihnen das Leben in Flecktarn-Oliv, Luftwaffen- oder Marineblau gefiel. Politischer Extremismus oder übermäßige Schinderei durch Ausbilder fiel früh auf, weil die soziale Kontrolle gegeben war.

Gammeldienst reicht nicht aus

„Dein Jahr für Deutschland“ mit Freiwilligen aus allen gesellschaftlichen Schichten kann jenen positiven Effekt mit sich bringen, dass die Bundeswehr wieder stärker im Alltag präsent wird. Und da heute in vielen Einheiten Personal fehlt, könnten aus dem „Jahr für Deutschland“ zwei, drei oder zwölf Jahre werden, sofern sich Freiwillige länger verpflichten.

Doch um diese Chancen wahrzunehmen, muss die Bundeswehr eine steile Lernkurve nehmen und anspruchsvolle Ausbildung, wirklich attraktive, sinnvolle Aufgaben, moderne Technik und ehrliche Wertschätzung bieten: „Dienst nach Vorschrift“ oder gar Gammeldienst, wie während der Wehrpflicht zu häufig erlebt, reicht nicht aus, um Interessierte, die auch anderen Optionen folgen können, zu binden.

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