Ein Blick in den Wirtschaftsteil könnte hilfreich sein

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Die Lage könnte schlechter sein
Die Lage könnte schlechter sein

Wirklich überraschend sind die Ergebnisse der neuen Populismus-Studie nicht. Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Welt geht und das politische Gespräch sucht, kann bestätigen, dass der Meinungsaustausch härter und die Sehnsucht nach einfachen Lösungen größer geworden ist. Dabei ist die „gefühlte“ politische Lage sehr viel negativer, als es die wirtschaftliche Lage, die geringe Arbeitslosenquote und die positive Kriminalstatistik vermuten lassen. Offensichtlich werden diese Erfolge nicht als Erfolg der politisch Verantwortlichen verbucht. Hingegen sind, wenn etwas schlecht läuft, die Schuldigen schnell gefunden: die da oben.

„Die da oben“ haben tatsächlich Fehler gemacht, aber andere als ihnen Populisten gerne unterstellen. Das Hauptproblem ist nicht, wie beispielsweise von Horst Seehofer behauptet, die Flüchtlingspolitik der vergangenen Jahre. Das Problem ist, dass alltagsentscheidende Herausforderungen wie die dramatisch steigenden Mietpreise, Löhne, die nicht zum Leben reichen, Altersarmut und Missstände in der Pflege als Randphänomene abgetan wurden. Genau dieses Gefühl des Abgehängtseins und der Überforderung schafft aber, wie auch die Entwicklung im Osten beweist, eine Empfänglichkeit für Populismus.

Bleibt zweierlei zu hoffen: Dass die Politik die alarmierenden Zeichen der Zeit endlich erkennt und aufhört, um sich selbst kreißend nur Mäuslein zu gebären. Ratsam wäre allerdings auch ein Blick in den eigenen Spiegel – und in den Wirtschaftsteil der Zeitung. Die Lage könnte schlechter sein.

c.kling@schwaebische.de

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