„Ehrenmord“: Verteidigung plädiert auf Totschlag

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Deutsche Presse-Agentur

Im Prozess um einen sogenannten Ehrenmord in Hamburg wollen die Verteidiger des angeklagten Bruders der 16 Jahre alten Deutsch-Afghanin Morsal auf Totschlag sowie verminderte Schuldfähigkeit plädieren. Das sagte dessen Anwalt Thomas Bliwier der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Das vom Gericht in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten und die Beweisaufnahme hätten ergeben, dass der 24-Jährige vor dem Hintergrund einer Persönlichkeitsstörung im Affekt getötet habe. Im Prozess vor dem Landgericht Hamburg wird dem jungen Mann vorgeworfen, seine Schwester erstochen zu haben, weil er ihren Lebensstil missbilligte. Er hatte im Polizeiverhör die Tat gestanden.

„Ich gehe davon aus, dass Mord nicht in Betracht kommt“, sagte Bliwier. Ursprünglich waren die Plädoyers an diesem Freitag geplant. Wegen eines Streits über eine psychiatrische Gutachterin wird sich der Termin aber möglicherweise verschieben.

Die Staatsanwaltschaft wollte sich vorab nicht zum Inhalt ihres Plädoyers äußern. Sie geht nach eigenen Angaben aber weiterhin von einem Mord aus und betrachtet den 24-Jährigen als voll schuldfähig. „Wir sind der Meinung, dass der Angeklagte planvoll vorging“, sagte deren Sprecher Wilhelm Möllers. Zugleich bekräftigte er die Ablehnung der Gutachterin, auf deren Schlussfolgerungen sich die Verteidigung stützt. Ein Urteil würde nach einer Verschiebung der Plädoyers wohl am 13. Februar fallen.

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