Editorial: Wie Journalisten dafür sorgen, dass Sie keine Fake-News verbreiten

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Chefredakteur

Der klassische und unabhängige Journalismus steht unter Druck. Vor allem in den sozialen Netzwerken werden gegen Qualitätsmedien schnell Vorwürfe in Richtung Kampagne oder Propaganda laut. Kollidiert die eigene Meinung mit der Berichterstattung, dann sind bei den Empörten oft finstere Mächte am Werk oder die Zeitung – gleich ob gedruckt oder digital angeboten – lügt in ihren Augen ganz einfach.

Im aktuellen Podcast „Die Leitung steht“ diskutieren die Chefredakteure der „SWP“ und der „Schwäbischen Zeitung“, Uli Becker und Hendrik Groth, über die aktuellen Herausforderungen des unabhängigen Journalismus:

Ähnlichen Vorwürfen müssen sich auch die Kollegen von Fernsehen und Radio stellen, vor allem jene der öffentlich-rechtlichen Sender. Es giltfür uns Journalisten dagegen anzukämpfen. Wir müssen unsere Arbeit mehr erklären. Wir müssen Transparenz herstellen. Denn während wir recherchieren, hinterfragen, Quellen gegenchecken, stellen die Produzenten von Fake News ihre gezielt gefälschten Geschichten einfach mit einem Klick ins Netz. Und das häufig mit Erfolg.

Es sind mehrheitlich Wichtigtuer, aber auch politisch aktive Gruppen, die mit Emotionen versuchen, ihren Hass auf irgendwen unter die Menschen zu bringen. Die Tätigkeit und die Herausforderungen von Journalisten ändern sich deshalb. Die Überprüfung von Behauptungen kostet Zeit, sie ist aber für die Einordnung der Nachricht unumgänglich.

Ein Amoklauf und 71 Tatorte

Ein Beispiel: Beim Amoklauf in München, wo ein 18-Jähriger neun Menschen tötete, gab es im Internet 71 angebliche Tatorte und auf Facebook oder Twitter wurden gefälschte Bilder verbreitet. Am Tatabend überprüfte deshalb ein Redakteur unablässig hereinkommende Meldungen und auch das Bildmaterial, sortierte aus und gab anschließend die Nachrichten zur Veröffentlichung frei.

Denn die Glaubwürdigkeit der Zeitung ist das höchste Gut, das wir zu verteidigen haben und dem wir uns verpflichtet fühlen. Regionale Tageszeitungen sind seit Jahrzehnten im Wettstreit um die besten Informationen, die für die demokratische Willensbildung so wichtig sind, führend.

Knapp 70 Prozent der Bundesbürger vertrauen ihrer Regionalzeitung, gleich ob gedruckt oder digital. Fast 57 Millionen Menschen greifen wöchentlich zu ihrer Lokalzeitung. Diese Zahlen spiegeln die Verantwortung für die Redaktionen in der gesamten Republik wider. Wir stellen uns dieser Verpflichtung.

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