Drohnenangriffe und Schüsse auf Schiffe: Wie der Konflikt im Mittleren Osten eskaliert

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Eines der Handelsschiffe im Golf von Oman, die angegriffen wurden. Die genauen Umstände blieben mysteriös und die Berichte vage.
Eines der Handelsschiffe im Golf von Oman, die angegriffen wurden. Die genauen Umstände blieben mysteriös und die Berichte vage. (Foto: United Arab Emirates National Media Council/AP/dpa)
Thomas Seibert

Nach den mysteriösen Anschlägen auf vier Öltanker im Persischen Golf eskalieren die Spannungen in der Region weiter. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen griffen am Dienstag nach eigenen Angaben mehrere Ziele in Saudi-Arabien mit Drohnen an. Die saudische Regierung sprach von drei Drohnen-Angriffen auf Pumpstationen für Erdöl. Verletzt wurde niemand. Doch die Gewalttaten erhöhen die Gefahr militärischer Auseinandersetzungen zwischen Iran auf der einen sowie USA, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) auf der anderen Seite.

Die Drohnen-Angriffe seien eine Reaktion auf die Verbrechen Saudi-Arabiens im Jemen, erklärten die Huthis. Die Rebellen kämpfen im Jemen seit 2015 gegen eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition. Die saudische Monarchie als führende sunnitische Macht betrachtet die Huthis als Vasallen ihres Erzfeindes, des schiitischen Iran.

Zwei Tage vor den Drohnen-Angriffen hatten Unbekannte zwei saudischen, einen emiratischen und einen norwegischen Tanker im Golf angegriffen. Mindestens eines der Schiffe wurde von einem Projektil an der Wasserlinie getroffen. Meldungen, wonach die angegriffenen Tanker fast gesunken wären, bestätigten sich aber nicht. Auf Satellitenbildern sei kein größerer Schaden an den vier Schiffen vor dem Hafen von Fudschaira zu sehen, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Reportern durften die Schiffe aber nicht näher in Augenschein zu nehmen.

Auch iranische Hardliner nehmen an der Propagandaschlacht teil. Der Iran werde die Straße von Hormuz im Persischen Golf und damit eine der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt sperren, wenn iranische Öltanker dort nicht mehr verkehren könnten, erklärte der Marine-Chef der Revolutionsgarden, Alireza Tangsiri, vor wenigen Wochen.

Der Druck in Iran steigt

Bisher schreckten die Beteiligten vor einer offenen Konfrontation zurück. Beispiel Iran: Samir Madani, Mitbegründer der Internetseite TankerTracker, wies auf Twitter darauf hin, dass die iranische Regierung die VAE-Gewässer vor Fudschaira – den Schauplatz der Angriffe auf die Tanker – dringend braucht: Dort werde Öl aus iranischen Schiffen in andere Tanker umgeladen. Auf diese Weise umgeht der Iran amerikanische Ölsanktionen. Ausgerechnet in dieser Gegend einen Anschlag zu verüben, würde den wirtschaftlichen Interessen der Iraner widersprechen.

Innenpolitische Faktoren auch in Iran machen nun eine militärische Konfrontation wahrscheinlicher. Ruhani gerät wegen zunehmender wirtschaftlicher Probleme in Folge der US-Sanktionen in Teheran weiter in die Defensive.

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