Drei Deutsche, die in Deutschland wenig bekannt, in Brüssel aber einflussreich sind

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Ellen Hasenkamp

Der Kommissionspräsident ist Luxemburger, der Ratspräsident Pole. Doch in der zweiten Reihe laufen viele Fäden bei drei Deutschen zusammen:

Martin Selmayr: Der Jurist ist eine der einflussreichsten und zugleich eine der umstrittensten Figuren in Brüssel. Manche sehen in dem Spitzenbeamten den brillanten Vordenker, andere einen skupellosen Strippenzieher. Unbestritten ist sein Anteil am Wirken von EU- Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Er coachte ihn durch die Schlussphase von dessen Wahlkampf, er formte mit ihm die neue „politische“ Kommission, er beriet ihn während der vergangenen fünf Amtsjahre. Selmayr glüht für seine Aufgaben, er kann die Brüsseler Verknotungen zumindest verbal stets tadellos entwirren und er tritt äußerst gewinnend auf. Beim Verfolgen seiner Ziele kennt er wenig Skrupel: Sein heimlich eingefädelter Blitz-Aufstieg zum Generalsekretär der EU-Kommission entfachte einen Proteststurm. Den stand Selmayr locker durch. Ob er nach dem Ende von Junckers Amtszeit oberster Kommissionsbeamter bleibt, ist offen.

Helga Schmid: Joschka Fischer soll sie einmal seine „Hyäne“ genannt haben, was höchst anerkennend gemeint war. Und mit Anerkennung ging der frühere deutsche Außenminister nicht großzügig um. Helga Schmid – einst die erste Frau, die sich bis ins Ministerbüro des Außenamts vorgekämpft hatte – ist inzwischen eine der Top-EU-Diplomatinnen. Als stellvertretende Generalsekretärin hat sie maßgeblich zum Aufbau und zur Anerkennung des Europäischen Auswärtigen Dienstes beigetragen. In dieser Funktion war sie als unermüdliche Unterhändlerin am bislang größten außenpolitischen Erfolg der Europäer beteiligt: dem Atomabkommen mit dem Iran. Inzwischen ist die 59-Jährige Generalsekretärin des Dienstes und sitzt damit an einer der Schaltstellen der Europäischen Außenpolitik.

Sabine Weyand: Sie ist nicht gerade der unauffällige Typ: Am dunklen Bob und dem Hang zu extravaganten Brillen ist die Saarländerin schon von weitem gut erkennbar. Bei den Brexit-Verhandlungen der EU wurde sie – zumindest in der Öffentlichkeit – aber vom Silberschopf des Franzosen Michel Barnier überstrahlt. Weyand ist seine Nummer zwei: Vize-Chefunterhändlerin der Kommission. Viele halten sie für den eigentlichen Kopf hinter dem Brexit-Vertrag. Die Spitzenbeamtin gilt als detailversessen, hochkompetent und hellwach, was sie auch schon in früheren Verhandlungen über heikle Handelsverträge bewiesen hat. So extrovertiert ihr Äußeres ist – ansonsten ist Weyand diskret: Auf dem offiziellen Lebenslauf ist nicht einmal ihr Geburtsjahr vermerkt.

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