Diplomatischer Eklat zwischen Athen und Ankara

Griechischer Außenminister in der Türkei
Das Treffen von Nikos Dendias (l), Außenminister von Griechenland, und Mevlüt Cavusoglu, Außenminister der Türkei, in Ankara sorgte für Aufsehen. (Foto: Burhan Ozbilici / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Nach dem diplomatischen Eklat zwischen dem türkischen und dem griechischen Außenminister hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan das Verhalten seines Ministers Mevlüt Cavusoglu gelobt.

„Natürlich hat unser Außenminister Dendias angesichts seines Verhaltens und Benehmens in die Schranken gewiesen. Milder hätte er auch nicht sein können, denn das hätte ohnehin nicht zu uns als Volk und Land gepasst“, sagte Erdogan. Experten und Journalisten zeigten sich von dem Schlagabtausch jedoch überrascht.

Die beiden Außenminister waren nach einem gemeinsamen Treffen gestern Abend vor die Presse getreten und hatten sich gegenseitig schwere Vorwürfe gemacht. Während Dendias und Cavusoglu zu Beginn der Konferenz noch eine positive und konstruktive Atmosphäre lobten, eskalierte das Gespräch schnell, nachdem Dendias die Türkei etwa ermahnte, keine „Fake News“ zu verbreiten. Cavusoglu, der Dendias zu Beginn noch seinen langjährigen Freund genannt hatte, reagierte und sagte, er habe das Gespräch in einer freundlichen Atmosphäre führen wollen. „Aber in seiner Rede hat Niko Dendias leider äußerst inakzeptable Anschuldigungen gegenüber meinem Land geäußert.“ Er warf Griechenland etwa vor, gegen internationales Recht zur verstoßen und Menschen „ins Meer geworfen“ zu haben.

Türkische und griechische Medien hatten teilweise mit Empörung reagiert. „Skandal von Dendias“, schrieb etwa die regierungsnahe türkische Zeitung Milliyet kurz nach dem Treffen. Die konservative Athener Zeitung Political sah gar „Krieg zwischen Dendias und Cavusoglu in der Luft“.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit Jahren angespannt. Die Regierung in Athen wirft dem Nachbarn etwa vor, in Gewässern der Ausschließlichen Wirtschaftszone Griechenlands illegal nach Erdgas zu forschen. Ankara argumentiert, die erkundeten Zonen gehörten zum türkischen Festlandsockel und die Türkei habe ein Recht auf Ausbeutung der Bodenschätze. Der Konflikt brachte die beiden Länder im vergangenen Jahr an den Rand einer militärischen Auseinandersetzung, hatte sich zuletzt aber wieder entspannt.

© dpa-infocom, dpa:210416-99-232427/3

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