Die SPD und Martin Schulz: Mit 100 Prozent Gefühl

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Mit viel Gefühl
Mit viel Gefühl (Foto: Roland Rasemann)
Schwäbische Zeitung

Nein, über das Wasser laufen kann er noch nicht. Aber die SPD feiert ihn, als ob er es könnte. Martin Schulz ist mit einem 100 Prozent-Ergebnis zu ihrem Chef gewählt worden. Das aber ist nicht das Ende, sondern der Anfang eine schwierigen Weges. Wohin will die deutsche Sozialdemokratie, vor allem aber, wie will im Falle des Erfolges mit einer neuen linken Mehrheit regieren?

Martin Schulz hat dazu auf dem Parteitag in Berlin noch nicht allzu viel preisgegeben. Angedeutet hat er allerdings, dass er keine Rückabwicklung der Agenda 2010 plant, dass er mit der Verlängerung des Arbeitslosengeldes kein neues Frühverrentungsprogramm anstrebt, sondern eine Qualifizierung für Ältere. Von Korrekturen war keine Rede, im Gegenteil, er hat Schröders Reformen gelobt. Schulz klares Bekenntnis zu Europa und seine Kampfansage an Erdogan waren erwartbar. Eine sehr klare Absage gab es gegen Steuersenkungspläne der Union. Schulz will Familien entlasten, indem Bildung von der Kita bis zum Studium gebührenfrei wird.

Vor allem aber hat neue SPD-Chef das Gefühl vieler Menschen angesprochen, die sich nach mehr Gerechtigkeit, nach mehr Würde des Einzelnen und mehr Respekt für ihre täglichen Mühen sehnen. Eine nicht zu unterschätzende Sehnsucht, nicht nur der Genossen.

Schulz wird dafür gefeiert. Zur Zeit ist der Trend ein Genosse, hat Sigmar Gabriel festgestellt. Allerdings weiß auch keiner besser als er, dass Trends schnell wechseln können.

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