Die Reise, auf die sich niemand freut: Polizisten und Flüchtlinge im Abschiebeflieger

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Viele Flüchtlinge in einem Amt
Mehr als 5000 Menschen aus Afghanistan haben im Jahr 2019 bislang einen Asylantrag gestellt. Nicht jeder darf bleiben. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz Bamf, sind im ersten Halbjahr dieses Jahres 5247 Asylanträge von Menschen aus Afghanistan eingegangen. Die sogenannte bereinigte Schutzquote lag für Asylsuchende aus dem Land bei 63,6 Prozent.

Bei dieser bereinigten Quote werden nur inhaltliche Entscheidungen ausgewertet. Entscheidungen aus formalen Gründen - etwa weil ein anderes EU-Land zuständig ist -, bleiben ausgeklammert. Die sogenannte Gesamtschutzquote, die alle Entscheidungen für Afghanen umfasst, liegt bei knapp 40 Prozent.

Seit Jahresbeginn sind aus Deutschland über 200 Männer nach Afghanistan abgeschoben worden. Zwei von ihnen wurden wieder zurückgeholt (Stand Ende Juli). Der Erste war ein Straftäter, dessen Aufnahme die afghanischen Behörden ablehnten, weil sie seine Identität nicht für zweifelsfrei geklärt hielten. Außerdem hielten sie seinen Gesundheitszustand für nicht stabil. Er wurde in Deutschland, so das Innenministerium, noch einmal zum Arzt gebracht und wenige Wochen später erneut nach Kabul geflogen.

Im zweiten Fall gab der Betroffene nach der Landung an, iranischer Staatsbürger zu sein. Die Bundespolizei brachte ihn erst einmal zurück nach Deutschland.

Im Juli 2018 hat ein aus Hamburg abgeschobener Straftäter kurz nach seiner Rückkehr in Kabul Suizid begangen.

Hinter dem schweren blauen Gitter, wo normale Passagiere keinen Zutritt haben, liegt der Ausgangspunkt für eine Reise ohne Vorfreude.

Polizeibeamte und Mitarbeiter von Ausländerbehörden haben an diesem schwülen Sommertag 46 Männer zum Flughafen Leipzig-Halle gefahren. Keiner von ihnen wollte diesen Flug nach Afghanistan antreten. Doch die Abschiebungsmaschinerie läuft.

Roderich Kiesewetter über Abschiebungen nach Afghanistan

Im letzten Moment gelingt es einem der Afghanen gerade noch, sich wieder festzukrallen in der selbstgewählten Heimat. Ein bayerischer Richter hat kurzfristig festgestellt: Der Mann darf erstmal bleiben. Die anderen 45 müssen los - egal welche Gefühle sie bewegen, ob Wut, Angst, Verzweiflung oder Hoffnung.

Als erstes müssen sich die Männer auf einen Stuhl setzen, der am Eingang einer kleinen Halle steht. Dort gibt es eine Art Einweisung. Wer auf dem Stuhl sitzt, wird umringt von Polizisten. Die Bundesbeamten tragen gelbe Westen, auf denen „Escort“ zu lesen ist oder „Backup Team“ - Begleitperson oder Ersatz-Team. Neben ihnen steht ein Übersetzer. Dieser erklärt, was nun folgt: Durchsuchung, Warten, dann fährt ein Bus zum Flieger.

Man kann nicht jeden Einzelfall an sich ran kommen lassen, sonst ist man nach einer Woche reif für die Insel.

Matthias, Bundespolizist aus Brandenburg

Das Durchsuchen, das hinter einer geschlossenen Tür passiert, ist für alle Beteiligten unangenehm. „Aber ohne geht es nicht“, sagt ein Bundespolizist aus Sachsen. Er hat schon mehr als 3000 Menschen gegen ihren Willen in deren Heimatländer gebracht. Der Mann erzählt von einem abgelehnten Asylbewerber, der ein Stück von einer Rasierklinge geschluckt und mit Zahnseide an einem Zahn befestigt hatte - wohl um sich selbst kurz vor dem Start zu verletzen, so dass eine Abschiebung unmöglich geworden wäre.

Waffen tragen in der Halle nur die Polizisten aus den Bundesländern, die die Afghanen hergebracht haben. Die 74 Männer und Frauen der Bundespolizei, die mitfliegen nach Kabul, sind unbewaffnet.

Dauerbewachung bis auf die Toilette

In einer zweiten fensterlosen Halle sitzen sie später an schweren Holztischen neben den Ausländern, die sie in den nächsten neun Stunden nicht aus den Augen lassen werden. Wer zur Toilette muss, wird begleitet. Für einen Teil der Männer ist Bewachung nicht ungewohnt: 22 von ihnen waren in Deutschland inhaftiert. Für sie ist dieser unfreiwillige Flug auch ein Trip in die Freiheit.

Einer der ehemaligen Häftlinge war wegen Gewalt mit Todesfolge im sachsen-anhaltinischen Köthen verurteilt worden. Damals, im September 2018, war ein 22-Jähriger zu Boden gegangen. Der junge Deutsche starb an einem plötzlichen Herztod. Der Afghane, der Deutschland jetzt verlassen muss, war bei der Tat 17 Jahre alt.

Sondermaßnahmen für „Schwererziehbare“

Es ist dunkel, als zwei Busse vor die Halle rollen. Eine kurze Fahrt zum Flieger. Dann wieder warten. Je zwei Polizisten haken einen Afghanen rechts und links unter. Einzeln werden die Männer die Flugzeugtreppe hochgeführt. Drinnen in der Maschine warten Flugbegleiterinnen einer Chartergesellschaft. Sie tragen braunkarierte Kleider und roten Lippenstift. Die Stewardessen lächeln professionell. Auch als zwei Männer ins Flugzeug gebracht werden, denen die Polizisten mit einem schwarzen Gurt die Arme am Rumpf fixiert haben. „Body Cuff“ nennen sich die Vorrichtungen, die sich locker oder fest anziehen lassen.

Aufenthaltsstatus weiter ungeklärt

Im April wurde Elyas Ahmadzais' Asylantrag abgelehnt. Der junge Afghane sollte zurück in seine Heimat. Wie es ihm heute geht, sehen Sie im Video.

Wer sich vorhin in der Halle gewehrt hat, wer wiederholt aufstehen und hinausgehen wollte, wird im hinteren Teil der Boeing 767 platziert. „Das sind die Schwererziehbaren“, heißt es im Polizei-Jargon. Einer der Männer auf den hinteren Sitzen hat einen dünnen, ungestutzten Bart. Er soll früher für die Taliban gekämpft haben. Der Bärtige wird einer von drei Abgeschobenen sein, die gleich nach der Ankunft in Kabul am nächsten Morgen niederknien werden, um den Boden zu küssen - als Zeichen ihrer Liebe zum Heimatland.

In der Maschine ist es ruhig. Niemand schreit, niemand spricht laut. Nachdem das Flugzeug abgehoben hat, wird es noch stiller. Nur ein Mann trägt noch den Fesselungsgurt. Er ist klein, muskulös, hat die Haare an den Seiten ausrasiert und in der Mitte mit Gel nach hinten gekämmt. Er redet viel, isst viel, schließlich sinkt sein Kopf auf das weiße Kissen, das ihm die Stewardess gebracht hat. Viele der Afghanen schlafen jetzt. Einige ziehen sich eine Decke über den Kopf, als Schutz gegen das grelle Flugzeug-Licht.

Ich versuche immer, einen Draht zu demjenigen zu finden, den ich begleite - Vertrauen zu schaffen.

Stephan, Bundespolizist

Wenn einem der Bundespolizisten mit den gelben Westen die Augen zufallen, kommt jemand aus dem Ersatz-Team. Warme Sandwiches und kalte Getränke werden serviert. Tee und Kaffee gibt es für die Abgeschobenen nicht — aus Sicherheitsgründen.

Viele entziehen sich der Abschiebung

Für die Polizisten ist es ein relativ entspannter Flug. Fesseln und Spuckschutz-Hauben, die sie eingepackt haben, kommen nicht zum Einsatz. Auch für die Ausländerbehörden ist es ein guter Tag. 45 „Rückzuführende“ an Bord ist für sie eine Erfolgszahl. Beim Kabul-Flug Mitte Juni waren von Dutzenden abgelehnten Asylbewerbern, die auf der Liste standen, nur elf in die Maschine gestiegen. Manchmal kommt auf den letzten Metern ein Gerichtsbeschluss. Oder jemand wird krank. Einer der Hauptgründe für das Nicht-Erscheinen lautet „wurde nicht angetroffen“.

Das dürfte künftig seltener passieren. Denn einen Tag nachdem die Männer in Kabul gelandet sind, ist in Deutschland ein Gesetz in Kraft getreten, das sie im Innenministerium „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“ genannt haben. Dadurch soll es leichter werden, Ausreisepflichtige früh abzuholen und mehrere Tage festzuhalten.

Dass nun eine große Abschiebungswelle startet, ist aber nicht zu erwarten. Denn jede Sammelabschiebung ist eine aufwendige, teure Operation. Von den bundesweit rund 1500 Polizisten, die als „Personenbegleiter Luft“ geschult wurden, müssen genügend verfügbar sein. Außerdem sind die Plätze, die für Abschiebehaft und Ausreisegewahrsam zur Verfügung stehen, begrenzt.

Abschiebung: Gastfamilie kämpft für Elyas

Fast 6000 Menschen aus Afghanistan haben alleine in den ersten drei Monaten diesen Jahres Asyl in Deutschland beantragt. So wie Elyas Ahmadzai vor einem Jahr. Als er nach Deutschland kam, kam er mit dem Traum von einem besseren Leben. Der droht jetzt zu zerplatzen.

Einige Herkunftsländer dulden zudem keine Sammelabschiebungen. Dann fliegen die Polizeibegleiter mit den Ausreisepflichtigen in einer Linienmaschine. Das geht oft schief, weil sich Fluggäste beschweren, wenn jemand schreit oder nicht freiwillig die Treppe hochsteigt. Das letzte Wort hat immer der Pilot. Wie viele Jahre es wohl dauern würde, um alle Afghanen, die in Deutschland „vollziehbar ausreisepflichtig“ sind, abzuschieben? Die Mitarbeiter der europäischen Grenzschutzagentur Frontex, die mit an Bord sind, können es auf Anhieb nicht sagen. Frontex zahlt häufig die Flugzeug-Kosten.

Ausstieg mit Schutzweste

Inzwischen fällt Tageslicht von draußen herein. Beklommene Blicke aus dem Fenster. Unten Bergkämme, Hochtäler, rotbraun und kahl. Nach der Landung in Kabul geht alles ganz schnell. Vier Polizisten ziehen Schutzwesten an. Sie steigen aus, um das Flugzeug zu sichern. Der letzte größere Terroranschlag in der afghanischen Hauptstadt liegt erst wenige Tage zurück. Zügig steigen die Abgeschobenen die Flugzeugtreppe hinunter, begrüßen afghanische Polizisten mit Handschlag. Zwei Mitarbeiterinnen der deutschen Botschaft, die ebenfalls unten stehen, schauen zu.

Wir sind ja auch nur Menschen. Und das geht nicht spurlos an uns vorbei, wenn wir auch Familien abschieben mit kleinen Kindern, die vielleicht auch hier in Deutschland aufgewachsen sind.

Einsatzleiterin der Bundespolizei, zuständig für eine Sammelabschiebung nach Afghanistan

Dann geht es per Bus zum Terminal. Da eine Glasschiebetür klemmt, werden die Angekommenen durch einen Nebeneingang ins Gebäude gebracht - zur Passkontrolle. „Hey, ihr deutschen Kartoffeln“, ruft jemand aus der Menge. Jeder Neuankömmling muss seine Papiere vorzeigen. In einem Nebenraum gibt es Geld, rund 150 Euro von einer UN-Behörde. Das reicht, um einige Tage in einer billigen Unterkunft zu schlafen und zu essen. Was danach kommt, wissen die meisten Rückkehrer noch nicht.

Im Flugzeug haben die Polizisten unterdessen die Westen ausgezogen. Einige tauschen das Hemd gegen ein bequemes T-Shirt. Die Anspannung ist verflogen. Wo eben noch Konzentration herrschte, dominiert jetzt Müdigkeit. Nach einer Nacht ohne Schlaf setzen viele Kopfhörer auf, hören Musik, um runterzukommen, oder machen sich lang auf den Sitzen.

Erlebnisse belasten nicht sonderlich

Stephan, groß, schwer, kurze Haare, kann nicht schlafen. Er sagt: „Ich versuche immer, einen Draht zu demjenigen zu finden, den ich begleite — Vertrauen zu schaffen. Das klappt meistens, aber nicht immer.“ Was er bei Abschiebungen erlebe, belaste ihn nicht sonderlich, sagt er. Viel schlimmer sei es für ihn gewesen, am Düsseldorfer Hauptbahnhof über Jahre den Verfall von zwei drogensüchtigen Mädchen mitzuerleben, die dort als Zwölfjährige erstmals aufgetaucht seien.

Der Rheinländer wird, wenn er zu Hause ankommt, fünf Tage unterwegs gewesen sein. Denn von Kabul geht es zunächst nach Taschkent. In der Hauptstadt Usbekistans wird das Flugzeug betankt. Eine neue Crew kommt an Bord. Dann fliegen die übermüdeten Polizisten nach Tiflis.

Als sie mit dem Bus durch die georgische Hauptstadt fahren, spricht niemand über die vergangenen Stunden. Es herrscht eine Atmosphäre wie bei einem Betriebsausflug. Ein Polizist zeigt auf dem Handy Fotos vom letzten Urlaub. Endlich mal duschen, ein ordentlicher Kaffee, ein Glas Bier. Jeder hat andere Prioritäten. Vor dem Hotel gibt die Einsatzleiterin Tipps, wo man gut und günstig essen kann.

Matthias, 54 und aus Brandenburg, arbeitet regulär am Flughafen. Der ehemalige DDR-Bürger hat sich 1992 freiwillig gemeldet, um Abschiebungen zu begleiten, auch weil er mehr von der Welt sehen wollte. In den ersten Jahren ging es für ihn oft nach Bulgarien und Rumänien, die damals noch nicht EU-Mitglieder waren. Er war auch in China, in der Mongolei und in Vietnam.

Jeder Einsatz ist freiwillig

Nicht nur die dreiwöchige Zusatzausbildung zum „Personenbegleiter Luft“ ist für die Bundespolizisten freiwillig, sondern auch die Teilnahme an jedem einzelnen Einsatz. Es gibt Beamte, die nicht nach Kabul fliegen wollen. Etwa weil sie oder Angehörige Angst haben, das Flugzeug könne beschossen oder von Terroristen am Boden angegriffen werden. Andere sind nicht sicher, ob es richtig ist, Menschen dorthin abzuschieben.

Schließlich heißt es in den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes: „Wegen immer wieder und in vielen Landesteilen aufflammender Kämpfe zwischen afghanischen Sicherheitskräften und vor allem den Taliban, aber auch dem regionalen Ableger des sogenannten Islamischen Staats, ist die Sicherheitslage in großen Teilen des Landes unübersichtlich und nicht vorhersehbar.“

Fawad Akbari kämpft gegen seine Abschiebung

Fawad Akbari spricht quasi fließend deut.

Matthias sagt, die Abschiebungen nach Westafrika und in die Maghreb-Staaten seien besonders schwierig. Die Betroffenen würden oft laut und leisteten manchmal sehr heftig Widerstand. Auch dann, wenn die Maschine längst in der Luft sei. 36 Abschiebungen hat Matthias im vergangenen Jahr begleitet.

Kotgeruch und Faustschlag

Der Mann mit dem dunklen Haar und der schwarz-grauen Brille ist ein fröhlicher Typ. Er erzählt von einem Afrikaner, der auf dem Flug offenbar absichtlich in die Hose gemacht habe. Der Geruch von Kot sei für alle Mitreisenden eine Qual gewesen. Für die Polizeiarbeit gelte grundsätzlich, „man kann nicht jeden Einzelfall an sich ran kommen lassen, sonst ist man nach einer Woche reif für die Insel“, sagt Matthias. Die Einsatzleiterin erinnert sich an einen Nigerianer, der einem ihrer Kollegen unvermittelt mit der Faust ins Gesicht schlug.

Am nächsten Morgen beim Frühstück in Tiflis sehen die Polizisten aus wie eine Ausflugsgruppe. Viele tragen kurze Hosen. Dass die Beamten mit Gesichtern und Familiennamen nicht in den Medien auftauchen wollen, hat damit zu tun, dass Abschiebungen gesellschaftlich nicht unumstritten sind. Und Frontex duldet nicht, dass auf Fotos von Abschiebungen das Logo der Charterfluggesellschaft zu erkennen ist.

Über Sammelabschiebungen berichten die Behörden in der Regel erst hinterher, kurz und knapp. Journalisten an Bord sind eigentlich nicht erwünscht. „Rückführungen sind in mehrfacher Hinsicht sensible Maßnahmen und erfolgen deshalb unter Ausschluss der Öffentlichkeit“, erläutert ein Sprecher des Innenressorts. „Da sie zugleich häufig Gegenstand von zum Teil unberechtigter, schwerwiegender Kritik sind, wurde nach intensiver Abwägung auf Leitungsebene im Bundesinnenministerium entschieden, um hier mehr Transparenz zu schaffen, ausnahmsweise einem Medium mit großer Reichweite die Begleitung zu ermöglichen.“

Den Bekannten nicht vom Job erzählen

Für Menschen, die gegen Abschiebungen demonstrieren, sind die Polizisten Vollstrecker des Bösen. Die Beamten selbst sehen ihre Rolle anders. Matthias sagt, in Afrika spielten zu viele Menschen mit dem Gedanken, sich nach Europa aufzumachen. Dass das nicht aufgehen könne, müsse eigentlich jedem einleuchten. Dennoch erzählen einige im Bekanntenkreis nicht, was es mit ihren Dienstreisen auf sich hat.

Zurück am Flughafen Leipzig-Halle, rund 48 Stunden nach dem Beginn der Operation, hält die Einsatzleiterin eine kurze Ansprache. Dann geht's nach Hause. Und viele wissen, dass sie einige aus der Gruppe schon bald wiedersehen werden - bei der nächsten Abschiebung.

Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz Bamf, sind im ersten Halbjahr dieses Jahres 5247 Asylanträge von Menschen aus Afghanistan eingegangen. Die sogenannte bereinigte Schutzquote lag für Asylsuchende aus dem Land bei 63,6 Prozent.

Bei dieser bereinigten Quote werden nur inhaltliche Entscheidungen ausgewertet. Entscheidungen aus formalen Gründen - etwa weil ein anderes EU-Land zuständig ist -, bleiben ausgeklammert. Die sogenannte Gesamtschutzquote, die alle Entscheidungen für Afghanen umfasst, liegt bei knapp 40 Prozent.

Seit Jahresbeginn sind aus Deutschland über 200 Männer nach Afghanistan abgeschoben worden. Zwei von ihnen wurden wieder zurückgeholt (Stand Ende Juli). Der Erste war ein Straftäter, dessen Aufnahme die afghanischen Behörden ablehnten, weil sie seine Identität nicht für zweifelsfrei geklärt hielten. Außerdem hielten sie seinen Gesundheitszustand für nicht stabil. Er wurde in Deutschland, so das Innenministerium, noch einmal zum Arzt gebracht und wenige Wochen später erneut nach Kabul geflogen.

Im zweiten Fall gab der Betroffene nach der Landung an, iranischer Staatsbürger zu sein. Die Bundespolizei brachte ihn erst einmal zurück nach Deutschland.

Im Juli 2018 hat ein aus Hamburg abgeschobener Straftäter kurz nach seiner Rückkehr in Kabul Suizid begangen.

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