Die Marine hat ihr Segelschulschiff „Gorch Fock“ zurück

«Gorch Fock»
Die Sanierung der „Gorch Fock“ hat 135 Millionen Euro gekostet. (Foto: Sina Schuldt / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Fast sechs Jahre Bauzeit, 135 Millionen Euro Kosten - aber nun hat die deutsche Marine ihr runderneuertes Segelschulschiff „Gorch Fock“ zurück. Die Bremer Lürssen-Werft übergab den Dreimaster am Donnerstag in Wilhelmshaven dem Auftraggeber.

Die „Gorch Fock“ lief noch am späten Nachmittag in die Nordsee aus. Sie wird kommenden Montag (4.10.) in ihrem Heimathafen Kiel zurückerwartet. Auf den letzten Kilometern sollen nach Angaben der Marine auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) und der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, mitfahren.

Die Lürssen-Werft hatte seit Oktober 2019 an dem Großsegler gebaut und das Projekt überhaupt erst wieder in ruhiges Fahrwasser gebracht. „Unser Projektteam und alle beteiligten Partnerunternehmen und Unterlieferanten haben es geschafft, einem leeren Stahlkasko in weniger als zwei Jahren wieder Leben einzuhauchen und die "Gorch Fock" unter Segel zu setzen“, sagte Geschäftsführer Tim Wagner.

10 Millionen Euro geplant, 135 Millionen ausgegeben

Die Instandsetzung der 1958 gebauten Bark hatte im Dezember 2015 begonnen. Weil viel mehr erneuert werden musste als erwartet, überstiegen die Kosten rasch die geplanten 10 Millionen Euro. Die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) billigte die Steigerungen, legte aber schließlich einen Deckel von 135 Millionen Euro fest.

Zu den Wirren trugen finanzielle Unregelmäßigkeiten beim ersten Auftragnehmer bei, der Elsflether Werft. Sie musste im Februar 2019 Insolvenz anmelden. Gegen die entlassene Werftführung laufen Ermittlungen wegen Betrugs, Untreue und Korruption. Aber auch gegen viele Subunternehmer wird ermittelt.

Kritik an Kosten

„Generell gilt: Die Bundeswehr braucht mehr Kostenbewusstsein“, sagte der Präsident des Bundesrechnungshofs, Kay Scheller, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Donnerstag. Aus der Kostenexplosion bei der „Gorch Fock“ müsse die Bundeswehr Lehren ziehen: „Vor Beginn von Arbeiten in der Werft muss immer der Aufwand der Instandsetzung umfassend geklärt sein. Dabei muss die Marine unbedingt untersuchen, ob sich die Instandhaltung finanziell überhaupt rechnet.“

Auch der Bund der Steuerzahler rechnete vor, dass Unterhalt und Wartung des Dreimasters jährlich mehrere Millionen Euro kosten werden. „Die "Gorch Fock" wird die Steuerzahler weiter beschäftigen - und belasten“, sagte Präsident Reiner Holznagel der Zeitung.

Marine ist zufrieden

„Wir freuen uns sehr, dass dieses Schulschiff zurückkommt, das wir dringend für die Ausbildung brauchen“, sagte ein Marinesprecher. Auf der „Gorch Fock“ lernen die Offiziersanwärter und -anwärterinnen der Marine das seemännische Handwerk. Zugleich dient die Bark als Botschafterin Deutschlands auf den Weltmeeren.

Aus Kiel soll die „Gorch Fock“ schon nach wenigen Tagen wieder auslaufen für eine vierwöchige Ausbildungsphase, die größtenteils in der Ostsee absolviert wird. Unter dem Kommando von Kapitän Nils Brandt soll zunächst die etwa 120 Mann zählende Stammbesatzung das Segeln wieder üben, aber auch Leck- und Brandbekämpfung trainieren. Im Spätherbst wird das Schiff nach Marineangaben über Lissabon zu den Kanarischen Inseln segeln. Dort beginne im Januar der erste Törn mit den jungen Kadetten und Kadettinnen.

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