Die Grünen haben eine Kanzlerkandidatin - doch eine wichtige Frage ist ungeklärt

Annalena Baerbock
Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock. (Foto: Kay Nietfeld / DPA)
Berlin-Korrespondentin

Dass die Kanzlerkandidatin der Grünen Annalena Baerbock heißt, überrascht nicht wirklich. Die Parteichefin hatte ein Argument für sich, dass ihr Co-Vorsitzender Robert Habeck beim besten Willen nicht entkräften konnte: Sie ist eine Frau.

Die Bundestagsabgeordnete aus Potsdam hätte schon aus freien Stücken verzichten müssen, um Habeck den Weg zur Kanzlerkandidatur zu eröffnen. Doch Baerbock ist ehrgeizig und selbstbewusst genug, um die historische Chance, die sich den Grünen derzeit bietet, nicht an sich vorübergehen zu lassen.

+++ Hintergrund: So haben sich Grünen für Baerbock entschieden +++

Sie will etwas erreichen, was bislang keine Frau vor ihr erreicht hat: mit 40 Jahren ins Kanzleramt einzuziehen. Ihre nicht vorhandene Regierungserfahrung ficht die Grünen-Vorsitzende nicht an. Sie ist offensichtlich davon überzeugt, dass sie diese mangelnde Kompetenz durch Entschlossenheit und Ehrgeiz in der Sache ausgleichen kann.

Das bedeutet allerdings auch, dass ihren potenziellen Wählern bis zum Ende nicht klar sein wird, welche Kröten die Partei bereit ist zu schlucken, um einen Platz am Kabinettstisch zu haben.

Der Verlierer des Tages heißt heute Robert Habeck. Sein Erfolg, die Grünen zusammen mit Baerbock zu einer geeinten Partei gemacht zu haben, hat sich nun gegen ihn gewandt. Ihm bleibt nur die Rolle, die Frau an seiner Seite bis zur Bundestagswahl bestmöglich zu unterstützen, um dann auf einen Kabinettsposten hoffen zu können. Immerhin, auch das sei am Rande noch erwähnt:

Die Geräuschlosigkeit, mit der die Grünen ihren Kanzlerkandidaten bestimmten, wirkte wohltuend in diesen Tagen. Bei der Union knirscht es bei derselben Frage erheblich mehr.

Es kommentieret Claudia Kling, Berlin-Korrespondentin.

Das Selbstbewusstsein, das die Grünen am Montag demonstrierten, sollte jedoch nicht vergessen lassen, dass die schwierigsten Wochen im Superwahljahr 2021 erst jetzt beginnen. Denn je näher der September rückt, desto mehr wird es um die Frage gehen, welche Konstellationen nach der Wahl möglich sein werden. Die Grünen haben es sich vorgenommen, im Wahlkampf nur für sich allein zu kämpfen und keine Koalitionsfestlegungen zu machen.

Das bedeutet allerdings auch, dass ihren potenziellen Wählern bis zum Ende nicht klar sein wird, welche Kröten die Partei bereit ist zu schlucken, um einen Platz am Kabinettstisch zu haben. Ob dann die politische Rundum-Erneuerung möglich ist, die Baerbock heute so flammend in Aussicht gestellt hat, wird sich weisen.

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