Die Gelassenheit der Briten

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Die Gelassenheit der Briten
Schwäbische Zeitung
Alexei Makartsev
Redakteur

Der Terror ist in die Straßen Londons zurückgekehrt, erstmals seit den Bombenanschlägen militanter Islamisten vor acht Jahren. Damals starben in einem Bus und der U-Bahn 52 Menschen.

Die multikulturelle und weltoffene Millionenstadt an der Themse ist wieder verwundet. Aber wie damals im Jahr 2005 gibt es keine Massenpanik, auch wenn viele Londoner nach dem Mord an einem Soldaten in Woolwich unter Schock stehen. Es ist diese simple, demonstrative Brutalität, die den Alltag der Metropole vor dem deutschen Fußballfest am Samstag überschattet. London lebte all diese Jahre nach den Anschlägen von 2005 mit der Terrorgefahr. Doch die Öffentlichkeit rechnete wohl kaum damit, dass zwei mutmaßlich religiöse Extremisten am helllichten Tag einen unschuldigen Mann abschlachten und dabei eine politische Erklärung vor der Handykamera eines Passanten machen würden. Ganz anders die Geheimdienste und die Polizei, die solche Szenarios befürchtet haben.

Ein Angriff mit einer Machete auf offener Straße mag nicht die Zerstörungskraft einer Bombe haben. Doch seine psychologische Wirkung ist nicht minder verheerend. Premierminister David Cameron weiß, dass er seine Landsleute nicht vor der tödlichen Gefahr, die aus heiterem Himmel kommt, schützen kann.

War der Soldatenmord womöglich der Auftakt einer zentral koordinierten Terrorwelle? Sind Trittbrettfahrer zu befürchten? Wenn ja, müssen sich die Briten auf eine baldige, drastische Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen gefasst machen. Im Moment hält sich jedoch Cameron an eine andere Strategie: Er verurteilt die Tat und bittet zugleich die Menschen, ihren normalen Alltag weiterzuführen. Die ruhige britische Botschaft an die Islamisten ist klar: Wir werden am Ende gewinnen, weil wir uns nicht einschüchtern lassen. Die ersten gelassenen Reaktionen der Londoner geben Anlass zur Hoffnung. So wie die mutige zweifache Mutter, die sich in Woolwich einem der Mörder in den Weg stellte und ihn fragte, warum er so etwas Abscheuliches getan hatte.

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