„Die Chance, rigoros durchzugreifen“

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Roderich Kiesewetter
(Foto: OH)
Schwäbische Zeitung

Für Roderich Kiesewetter (CDU) liegt im Management von Rüstungsprojekten einiges im Argen. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ fordert der Präsident des Reservistenverbandes insbesondere ein besseres Beschaffungs- und Vertragsmanagement. Das Interview führte Andreas Knoch.

Herr Kiesewetter, wie beurteilen Sie die Ergebnisse des vorgelegten Rüstungsgutachtens?

Der KPMG-Bericht ist die umfangreichste Bestandsaufnahme von Rüstungsprojekten. Das allein ist schon ein Wert, der für sich steht und den die Verteidigungsministerin erreicht hat. Keines der untersuchten Projekte war fehlerfrei. Die spannende Frage wird jetzt jedoch sein, welche Lehren aus dem Gutachten gezogen werden. Für Frau von der Leyen ist das die Chance, rigoros durchzugreifen.

Der Rüstungsbericht lässt auf mangelndes oder gar gänzlich fehlendes Projektmanagement schließen …

Dieser Eindruck ist so nicht richtig. Allerdings sind die Rahmenbedingungen für ein funktionierendes Projektmanagement schwierig – um es einmal vorsichtig auszudrücken. Das fängt damit an, dass Projektträger und Verantwortliche zwischenzeitlich wechseln, und hört mit der parallel laufenden Bundeswehrreform noch längst nicht auf. Hinzu kommen häufige Änderungsanträge: Allein beim Militärtransporter A 400 M wurden die Anforderungen vom Ministerium 52 mal angepasst. Das macht eine stringente Projektbegleitung nicht leichter.

Was muss sich Ihrer Meinung nach im Ministerium ändern?

Eindeutige Zuständigkeiten, eine klare Projektbegleitung, Transparenz und eine neue Fehlerkultur sind dringend notwendig. Auch das Miteinander der verschiedenen Führungsebenen und nicht zuletzt das Beschaffungs- und Vertragsmanagement müssen deutlich besser werden. Da ist einiges im Argen. Der schwarze Peter liegt aber nicht allein im Verteidigungsministerium. Auch die Industrie muss ihre Hausaufgaben machen. Es kann nicht angehen, dass Ingenieure einfach von einem Projekt abgezogen werden, wenn es bei einem anderen klemmt.

Deutschland will international mehr Verantwortung übernehmen. Kann dieser Anspruch angesichts der Mängel und Pannen bei der bestehenden Ausrüstung der Bundeswehr überhaupt eingelöst werden?

Gut ist, dass jetzt alles auf den Tisch kommt. Damit kulminiert ein Prozess, der sich über die Jahre angestaut hat. Was die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr angeht bleibt festzuhalten, dass die Truppe alle bisherigen Einsätze mit absoluter Verlässlichkeit und hohem Einsatzwillen absolviert und absolviert hat. Für darüber hinaus gehende Einsätze können wir dieses Zeugnis aber nicht garantieren. An einem höheren Wehretat und einer strategischen Prioritätensetzung wird künftig kein Weg vorbeiführen.

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