Deutscher Gastanker trotz Geleitschutz gekapert

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Somalische Piraten haben im Golf von Aden den deutschen Flüssiggastanker „Longchamp“ gekapert, obwohl das Schiff in einem international geschützten Konvoi fuhr.

Das bestätigten ein Mitarbeiter der Reederei in Nairobi sowie ein Sprecher des Hamburger Schiffsfinanzierers MPC, der an dem Tanker beteiligt ist. Die Piraten hätten das rund 3500 Tonnen große Schiff in den frühen Morgenstunden in ihre Gewalt gebracht, obgleich es in einem Verband fuhr und die indische Marine noch einzugreifen versuchte, sagte der MPC-Sprecher. Der Kapitän des Schiffes habe in einem kurzen Telefonat erklärt, alle 13 Besatzungsmitglieder, 12 Filipinos und ein Indonesier, seien wohlauf.

Fregatten der Deutschen Marine vereitelten dagegen am Donnerstag zwei Angriffe von Piraten auf Handelsschiffe im Golf von Aden. „Bei zwei angegriffenen Schiffen konnte mit Hilfe der Deutschen Marine eine Kaperung verhindert werden. Der Gastanker Longchamp (...) fiel jedoch in die Hände von Piraten“, teilte die Bundeswehr im Internet mit. Ob die beiden deutsche Schiffe auch einen Hilferuf des gekaperten Gastankers erhalten hatten, blieb zunächst unklar.

Die knapp 100 Meter lange „Longchamp“ war unterwegs von Europa nach Asien. Das Schiff habe den Suez-Kanal durchquert und eigens einen Tag gewartet, um sich dem Konvoi anzuschließen, sagte der Sprecher. Ein Schiff der britischen Marine habe vor der Geiselnahme einen Notruf vom Kapitän der „Longchamp“ empfangen, sagte ein Sprecher des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) in London der dpa.

Der 1990 gebaute Tanker gehört der Gesellschaft MPC Steamship, wird aber von der Hamburger Reederei Bernhard Schulte bereedert. Gechartert hatte die „Longchamp“ eine Reederei aus dem liberianischen Monrovia. Das Schiff fährt unter der Flagge der Bahamas. Der Tanker sei nun aus dem Konvoi ausgeschieden und steuere auf die somalische Küste zu, sagte der MPC-Sprecher. Er rechne mit einer Lösegeldforderung.

Vor der somalischen Küste sind in diesem Jahr bereits drei Schiffe von Piraten gekapert worden. In den vergangenen Tagen haben die Angriffe der Piraten wieder zugenommen, da sich das Wetter in der Region deutlich verbessert hat.

Im Kampf gegen die Seeräuber hat die EU zur Zeit vier Schiffe und drei Aufklärungsflugzeuge im Einsatz. Zehn weitere Länder, darunter Indien, haben ebenfalls Kriegsschiffe in die Region entsandt. Sie sollen vor allem Containerschiffe und Tanker vor Angriffen im Golf von Aden schützen, der wichtigsten Handelsroute zwischen Europa, der arabischen Halbinsel und Asien.

Im vergangenen Jahr sind nach IMB-Angaben insgesamt 111 Schiffe von somalischen Piraten attackiert worden. Dutzende wurden entführt. Die Seeräuber erpressten damit Lösegelder von schätzungsweise mehr als 30 Millionen Dollar.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen