Deutsche Touristin in Mali entführt

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Deutsche Presse-Agentur

Nach Angaben malischer Behördensprecher hat bisher keine Gruppe die Verantwortung für den Überfall im Grenzgebiet zu Niger übernommen, wo die Urlauber ein Wüstenfestival besucht hatten, berichtete der britische Rundfunksender BBC am Freitagmorgen. Das Auswärtige Amt hatte am Abend einen Bericht von „Spiegel-Online“ über die Entführung bestätigt. „Wir gehen entsprechenden Meldungen nach“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Eine Deutsche werde seit Donnerstagmittag in Mali vermisst.

Laut „Spiegel-Online“ handelt es sich um eine 75-jährige Frau aus Hessen, die gemeinsam mit einem Schweizer Ehepaar und einem Briten verschleppt wurde. Sie sollen zusammen mit weiteren europäischen Touristen in zwei Autos in der Grenzregion zwischen Mali und Niger unterwegs gewesen sein, als sie überfallen wurden. Ein drittes Fahrzeug des Konvois konnte entkomen und die malischen Sicherheitsbehörden benachrichtigen.

Den Angaben zufolge kamen die Touristen von einem mehrtägigen Volksfest der Wüstenstämme der Tuareg im nördlichen Niger. Bei den Tätern soll es sich ebenfalls um Tuareg handeln. Ein zweiter Wagen mit Touristen, darunter auch ein weiterer deutscher Staatsbürger, konnte „Spiegel-Online“ zufolge aus dem Hinterhalt entkommen. Augenzeugen hätten berichtet, dass auch Schüsse gefallen seien. Es sei aber niemand verletzt worden.

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, die Botschaft in Mali befasse sich intensiv mit dem Fall. Das Außenministerium in Bern bestätigte am Abend, dass zwei Schweizer Staatsbürger entführt worden seien. Man sei in Kontakt mit den lokalen Behörden, den Angehörigen der Entführten, sowie den deutschen und britischen Behörden, sagte Sprecher Lars Knuchel der Schweizer Nachrichtenagentur SDA.

Auf der Website des Auswärtigen Amtes wird ausdrücklich vor Reisen in die betroffene Wüstenregion gewarnt. Bereits vor zwei Wochen hatten Sicherheitsdienste vor Entführungen westlicher Ausländer während eines Festivals nördlich von Timbuktu gewarnt.

Im Norden Malis sind nicht nur Banditen und Schmuggler unterwegs, auch eine Tuareg-Rebellion sorgt im Grenzgebiet von Mali, Niger und Algerien für Instabilität. Die malischen Behörden hatten erst vor wenigen Tagen nach eigenen Angaben einen der wichtigsten Standorte der Tuareg-Rebellen zerstört. Erst am Donnerstag war es im Norden Malis zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Tuaregs gekommen, bei denen 30 Rebellen getötet worden sein sollen. Gefahr für Reisende in der entlegenen Region in der Sahara geht auch von algerischen Extremisten aus, die jenseits der algerischen Grenze ihre Rückzugslager haben.

In der Vergangenheit kam es schon mehrfach zu Entführungen von Sahara-Touristen, etwa in Algerien. Den Tätern ging es meist um Lösegeld, es gab jedoch auch Entführungen mit politischem Hintergrund. Die Verhandlungen über die Freilassung der Entführten zogen sich zum Teil über Monate hin.

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