Deutsche Kulturvermittlerin Hella Mewis in Bagdad entführt

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 Die Deutsche Hella Mewis wurde in Bagdad entführt.
Die Deutsche Hella Mewis wurde in Bagdad entführt. (Foto: Iraqi art collective Tarkib AFP)
Thomas Seibert

Unbekannte haben in der irakischen Hauptstadt Bagdad Hella Mewis entführt. Die aus Berlin stammende Kuratorin wurde von Unbekannten am Montagabend in ein Auto gezerrt, als sie mit ihrem Fahrrad auf dem Weg nach Hause war. Die Entführung könnte Teil des Machtkampfes im Irak sein, wo die neue Regierung die Macht bewaffneter Gruppen beschneiden will.

Mewis lebte seit einigen Jahren in Bagdad; in einem Video auf Twitter sagte sie, sie sei im Jahr 2010 zum ersten Mal in die irakische Hauptstadt gereist und habe sich gleich zu Hause gefühlt. In Bagdad kümmerte sie sich um das Kulturinstitut Tarkib, das sich mit zeitgenössischer irakischer Kunst befasst. Mewis sei in der Nähe des Instituts entführt worden, schrieb Ali Al Bayati von der irakischen Menschenrechtskommission auf Twitter. Die Täter blieben am Dienstag unbekannt. Im Auswärtigen Amt trat ein Krisenstab zusammen.

Eine Freundin von Mewis, Dhikra Sarsam, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Deutsche habe sich in jüngster Zeit um ihre Sicherheit gesorgt. Anlass dafür war demnach die Ermordung des politischen Analysten Huscham al-Haschimi in Bagdad Anfang des Monats. Laut Sarsam war Mewis in der irakischen Protestbewegung aktiv, die seit dem vergangenen Herbst Reformen fordert. Die Proteste richten sich auch gegen den großen Einfluss Irans beim Nachbarn Irak. Sicherheitskräfte und bewaffnete Milizen – darunter pro-iranische Gruppen – haben Amnesty International zufolge seit Oktober mehr als 500 Menschen bei Demonstrationen getötet und weitere verletzt. Die pro-iranischen Gruppen haben auch großen Einfluss auf den irakischen Sicherheitsapparat.

Nach dem Mord an Haschimi fiel der Verdacht auf die pro-iranische Miliz Kataib Hisbollah, die der Experte mehrfach kritisiert hatte. Jeder, der sich den pro-iranischen Gruppen entgegenstelle, werde getötet, inhaftiert oder verfolgt, zitierte der Sender Al-Dschasira einen Sicherheitsexperten in Bagdad.

Ob diese Gruppen für die Entführung von Mewis verantwortlich waren, blieb am Dienstag unklar. Medienberichten zufolge berichteten Augenzeugen, Polizisten hätten die Entführung beobachtet, seien aber nicht eingeschritten. Im Irak waren nach einem Bericht des britischen „Telegraph“ in den vergangenen Monaten mehrere Ausländer entführt worden. Einige Milizen betrachteten Ausländer als Spione, sagte ein Freund von Mewis dem Blatt.

Bilgay Duman, Irak-Experte bei der türkischen Denkfabrik Orsam, sieht eine Verbindung zwischen der Entführung und den Bemühungen des neuen irakischen Ministerpräsidenten Mustafa al-Kadhimi um eine Stärkung der Zentralregierung. Kadhimi war im Mai gegen den Widerstand pro-iranischer Gruppen ins Amt gekommen und hat sich zum Ziel gesetzt, nicht-staatliche Gruppen zu entwaffnen. Mewis’ Entführung sei wahrscheinlich ein „Signal“ an den Regierungschef. Kadhimi soll demnach mit der Gewalttat gegen eine Ausländerin national wie international in eine schwierige Lage gebracht werden.

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