Deutsch-russischer Klimawandel: Warum Putin und Merkel jetzt wieder freundlicher miteinander sprechen

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Merkel und Putin laufen aufeinander zu, um sich die Hand zu geben
Sie gehen aufeinander zu: Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin zu Beginn ihrer Gespräche am Samstag. (Foto: Pavel Golovkin/dpa)
Stefan Scholl

Im Kreml herrschte gute Laune. Außenminister Sergei Lawrow, Alexei Miller, Chef des Gaskonzerns Gazprom und Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin standen nach den Gesprächen demonstrativ lachend am Eingang zum Pressesaal. Scheinbar freuten sich die drei über die Haltung ihrer deutschen Verhandlungspartner zu Nordstream 2, der umstrittenen Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland durch die Ostsee. Und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel erklärte bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Wladimir Putin, man betrachte die exterritorialen Sanktionen der USA gegen die Ostseepipeline als nicht richtig „Wir unterstützen dieses Projekt auch weiterhin.“ Putin antwortete sichtlich zufrieden, er schätze die deutsche Position zu Nordstream 2 hoch ein.

Merkel war zu einem ausgesprochenen Arbeitsbesuch nach Moskau gekommen, einziger Programmpunkt war ihr Treffen mit Wladimir Putin. Sie hatte auch Außenminister Heiko Maas mitgebracht. Aus gutem Grund: Außer um Gas ging es um ein Bündel weltpolitischer Probleme. Um sie zu diskutieren, benötigten Merkel und Putin über dreieinhalb Stunden, gut 90 Minuten mehr als geplant.

Diplomatie für Syrien und Libyen

Hinterher gab es viele freundliche Worte, eine Art deutsch-russischer Klimawandel lag in der Luft. Obwohl konkrete Ergebnisse fehlten. Auch der Streit zwischen den USA, den Europäern und Russland um die deutsch-russische Gasröhre ist noch keineswegs ausgestanden. Und Wladimir Putin musste zugeben, die US-Sanktionen könnten die Vollendung der Pipeline bis ins erste Quartal 2021 verschieben. Ebenso blieb fraglich, ob und wann die blutigen Dauerkonflikte in der Ostukraine und Syrien, der Bürgerkrieg in Libyen und die eskalierende Konfrontation zwischen den USA und Iran beigelegt werden können.

Angela Merkel beschwor am Samstag die von den Russen auf den Weg gebrachten Bemühungen um einen syrischen Verfassungskonvent, der dauerhaft Frieden schaffen soll. Ebenso wie die deutschen Bemühungen, die Bürgerkriegsparteien in Libyen und ihre ausländischen Verbündeten zu einer Friedenskonferenz in Berlin zu versammeln. Putin seinerseits unterstützte die Berliner Konferenz demonstrativ.

Putin erinnerte seinerseits nochmals lautstark an den Waffenstillstand, der in Libyen um Mitternacht in Kraft treten sollte. Ausgerufen hatten ihn Putin und sein türkischer Kollege Recep Erdogan, die verfeindete Parteien unterstützen: Die Türkei hilft den Truppen der „Regierung der Nationalen Übereinkunft“ unter Fayez Sarradsch gegen den Feldkommandeur Chalifa Haftar und seine Kämpfer, der gilt als Mann Moskaus. Haftar und Sarradsch bestätigten die Feuerpause, aber es bleibt abzuwarten, wie ernst es beiden Seiten ist – und ihren Schutzmächten.

Ein deutscher Journalist fragte Putin, ob er Erdogans Aussage bestätige, in Libyen seien 2000 Söldner der russischen „Wagner“-Privatarmee im Einsatz. Putin versicherte, wenn Russen in Libyen kämpften, dann ohne Auftrag oder Finanzierung des russischen Staates. Die Aussage erinnerte stark an die Rhetorik, mit der Putin im Krieg in der Ostukraine das eigene Militär im Kampfgebiet wegleugnete. Irgendwie klang es auch zweideutig, als Putin vor den Folgen eines großen Krieges im Nahen Osten warnte, der neue Flüchtlingsströme auch Richtung Europa in Bewegung setzen würde.

Merkel setzte andere Akzente, sprach den Abschuss der ukrainischen Boeing durch iranische Militärs an, bezeichnete das Schuldeingeständnis der Iraner als „wichtigen Schritt zu einer schonungslosen Aufklärung“. Nebenher erinnerte sie Putin, man könne lange militärische Mittel einsetzen. Eine Lösung werde es nur politisch geben. Allerdings haben die Russen im Osten der Ukraine und in Syrien gezeigt, wie man solche Verhandlungen mit massivem Panzer- oder Luftwaffeneinsatz maßgeblich vorweg bestimmen kann. Gemeinsame Konfliktlösungen konnten beide Seiten am Samstag nicht vermelden. So bleibt als Hauptergebnis, dass Berlin und Russland, das sich als Militärsupermacht versteht, künftig wieder öfter gemeinsam nach solchen Lösungen suchen könnten.

Bilateralen Ärger meidet man dagegen. Noch Ende vergangenes Jahres hatte es heftigen Streit um den Mord an einem tschetschenischen Flüchtling in Berlin gegeben, in den offenbar russische Staatsdienste verwickelt sind. Deutschland und Russland hatten wechselseitig Diplomaten ausgewiesen. Bei der Pressekonferenz im Kreml wurde die Affäre nicht mehr erwähnt.

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