Der Wendehals Meuthen geht - gemäßigt nur im Schein

Joerg Meuthen, Bundesvorsitzende der AfD (Alternative fuer Deutschland), aufgenommen im Rahmen einer Pressekonferenz zu
Der Wendehals Meuthen geht - gemäßigt nur im Schein. (Foto: Florian Gaertner/photothek.net, via www.imago-images.de / imago)
Leiterin Politik und Reportage

Jörg Meuthen geht - und wohin steuert die AfD nach ihm? Diese Frage ist wie so oft bei der vermeintlichen Alternative offen. Denn Meuthens Rückzug vom Amt des Bundessprechers bedeutet keineswegs, dass der letzte Statthalter einer noch irgendwie gemäßigten Parteilinie geht.

Als solcher hat sich der Professor gerne inszeniert. Und zwar immer dann, wenn es ihm aus strategischen Gründen passte. Das zeigt der Blick auf seine Parteikarriere, die in Baden-Württemberg begann.

Als er die AfD-Fraktion 2016 in den Landtag führte, hielt er zunächst am Wirrkopf Wolfgang Gedeon fest, obwohl dieser antisemitische Schriften publiziert hatte. Als diese Tatsache dann nicht mehr zu leugnen war, drehte sich Meuthen und ließ im Streit darüber sogar die Fraktion zerbrechen. Ähnliche Wendemanöver folgten.

Mal ließ er sich an der Seite des Rechtsauslegers Björn Höcke fotografieren und trat bei Treffen des völkischen „Flügel“ am Kyffhäuser auf. Er demontierte aus rein persönlicher Befindlichkeit die Fraktionschefin im Bund, Alice Weidel, im eigenen Landesverband. Er tat wenig, um den zunehmend nach ganz rechts driftenden Landesverband einzuhegen, ließ deren Protagonistin Christina Baum, die sogar im Verfassungsschutzbericht des Landes auftaucht, gewähren.

Meuthen ging es stets nur um eines: seinen eigenen Aufstieg. Der Abschied aus Stuttgart, wo er mangels Führungsstärke und Bindung an die Basis verbrannte Erde hinterließ, führte nach Brüssel. Von dort legte er sich dann wieder mit seinen alten vertrauten Höcke und Co. an, wohl auch aus Angst einer offiziellen Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz.

Nun zieht sich Meuthen zurück, sein Rückhalt in den eigenen Reihen schwand zuletzt über Baden-Württemberg hinaus. Die AfD verliert ein Gesicht, das zumindest Wohlmeinende als gemäßigt einordneten. Doch die Maske der bürgerlichen Partei hat die AfD ohnehin längst abgelegt.

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