Der Riss in Polen ist tief

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 Theresa Gnann
Theresa Gnann (Foto: sz)
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Zuerst die gute Nachricht: Noch vor wenigen Monaten hätte sich kaum jemand vorstellen können, dass ein Oppositionskandidat in Polen auf fast die Hälfte der Stimmen kommt. Geschafft hat das nun Warschaus Bürgermeister Rafal Trzaskowski, der für Wandel, Toleranz und ein liberales Polen steht. In den vergangenen Jahren hätte man beinahe vergessen können, dass es dieses Polen noch gibt, für das am Sonntag immerhin rund 49 Prozent der Wähler gestimmt haben.

Doch es gibt auch eine schlechte Nachricht: Die Wiederwahl von Amtsinhaber Andrzej Duda ist eine Enttäuschung für all jene, die auf einen Aufbruch in Polen gehofft hatten, auf Modernisierung und eine Rückkehr zu europäischen Werten. Das knappe Ergebnis dieser Wahl verdeutlicht, dass in Polen zwei Gesellschaften neben- und gegeneinander leben. Der Riss verläuft zwischen Stadt und Land, zwischen West und Ost, zwischen Jung und Alt. Für Duda sollte diese Spaltung eine Warnung sein. Seine rechte Rhetorik hätte ihn schließlich beinahe die Präsidentschaft gekostet. Er hat nun fünf Jahre Zeit, den ungeliebten Spitznamen „Kugelschreiber“ abzulegen und zu zeigen, dass er der Präsident aller Polen sein kann. Wahrscheinlich ist das aber nicht.

t.gnann@schwaebische.de

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