Der Liter Benzin könnte 42 Cent mehr kosten

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 Sprit könnte bei Einführung einer CO2-Steuer teurer werden.
Sprit könnte bei Einführung einer CO2-Steuer teurer werden. (Foto: dpa)
Dorothee Torebko

Werden wir uns bald kein Fleisch, keinen Sprit und keine warme Wohnung mehr leisten können? Diese Frage stellen sich derzeit viele, die sich mit einem Preis auf Kohlendioxid beschäftigen. Im Raum stehen mehrere Modelle mit Aufschlägen, die sich zwischen 40 Euro pro Tonne CO2 und 180 Euro pro Tonne bewegen. Wie hoch muss der Preis tatsächlich sein, damit er etwas bringt?

Derzeit ist noch völlig unklar, wie hoch die Steuer wird, wer sie bezahlen muss und ob der Bürger Geld zurückbekommt. Aber es gibt bereits Rechnungen, die in die Zukunft weisen. Eine davon hat die Berliner Denkfabrik Agora Energiewende unternommen. Sie rechnet vor, wie sich Benzin und Diesel verteuern könnten. Geht man von einem niedrigen CO2-Preis von 40 Euro je Tonne Kohlendioxid aus, wird der Liter Benzin um neun Cent teurer, Diesel um elf Cent. Beträgt der Preis 180 Euro je Tonne CO2, steigt der Aufschlag immens: Benziner müssen 42 Cent, Dieselfahrer 48 Cent mehr im Vergleich zu heute zahlen.

Auch Aufschlag auf Heizöl

Bei Heizöl sind die Aufpreise ähnlich. Wer eine warme Wohnung haben möchte, wird bei einem Preis von 40 Euro je Tonne elf Cent, bei 180 Euro je Tonne 48 Cent mehr zahlen müssen. Je größer die Wohnung also, umso tiefer muss der Mieter in die Tasche greifen. Komplizierter ist die Rechnung beim Fleisch, sagt Astrid Matthey vom Umweltbundesamt. Eine pauschale Aussage sei da nicht möglich, da sich die Emissionen von den Lieferketten stark unterscheiden. Je nachdem, von welchem Tier das Fleisch stammt, woher es kommt und womit es gefüttert wurde, ändert sich der Aufschlag. Einen Versuch hat Agora unternommen: Rindfleisch könnte sich um 53 Cent beziehungsweise 2,39 Euro verteuern.

„Eine CO2-Abgabe von 50 Euro je Tonne ist notwendig, um Klima-schutzwirkung zu entfalten“, betont Thorsten Lenck, Projektleiter Strommarktdesign und Erneuerbare Energien bei Agora. „Wenn die Klimaziele dann immer noch verfehlt werden, müsste die Abgabe jährlich angehoben werden – so hat man es in der Schweiz eingeführt. Die Einnahmen müssen an Bürger und Unternehmen zurückverteilt werden, um Verwerfungen zu vermeiden.“ Um die vor allem sozial benachteiligten Bürger nicht zu stark zu belasten, befürwortet die Denkfabrik ein Modell, wonach die Bürger das eingenommene Steuergeld zurückbekommen. Nach dem Prinzip: Wer wenig verbraucht, kaum Fleisch isst und nur Bus und Bahn nutzt, bekommt am Ende sogar mehr Geld raus.

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