Der Fall Maaßen ist ein einziges Trauerspiel

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Ein einziges Trauerspiel
Ein einziges Trauerspiel (Foto: Roland Rasemann)

Zu spät, viel zu spät hat der Bundesinnenminister im Fall Maaßen die Reißleine gezogen. Was hätte Horst Seehofer sich selbst, der Bundesregierung und seinen Parteifreunden im Bayern-Wahlkampf ersparen können, hätte er den Verfassungsschutzchef sofort in die Wüste geschickt als klar wurde, dass der seine steilen Thesen zum Fall Chemnitz nicht belegen kann. Damals vermutete er, die Berichterstattung über die Ausschreitungen solle von der Bluttat ablenken – als ob die Berichterstattung von einer düsteren Macht zentral gesteuert würde.

Jetzt sieht Maaßen schon wieder Verschwörer am Werk. Als Betreiber seines erzwungenen Abgangs hat er „linksradikale Kräfte in der SPD“ ausgemacht. Die SPD und linksradikal? Für die Sozialdemokraten in ihrer aktuellen Orientierungskrise wäre das ja fast schon wieder ein Kompliment. Allerdings ist es mehr als zweifelhaft, ob Deutschlands oberster Verfassungsschützer seine eigene Aussage ernst nehmen kann. Wäre es so, würde das eher etwas über ihn selbst aussagen: Nur wer äußerst weit rechts steht, kann die Sozialdemokraten des Jahres 2018 als Linksradikale wahrnehmen.

Wahrscheinlicher ist, dass Maaßen bewusst Krawall inszeniert. Der Jurist gilt als jemand, der präzise mit Worten umzugehen versteht. Der Mann, der nicht Staatssekretär werden darf, obwohl er es gerne geworden wäre, will seinen eigenen Rauswurf erzwingen.

Maaßen muss auch einkalkuliert haben, dass seine demonstrative Uneinsichtigkeit den Innenminister beschädigt. Schließlich hat Seehofer viel politisches Kapital dafür eingesetzt, Maaßen zu halten, sogar den Bruch der Regierungskoalition hat er riskiert. Gedankt hat es der Verfassungsschutzchef dem Minister nicht; am Montag gab sich Seehofer nun „menschlich enttäuscht“. Eine ziemlich späte Einsicht.

Die ganze Maaßen-Affäre ist ein einziges Trauerspiel. Jetzt wird einer der beiden Hauptprotagonisten in den Ruhestand geschickt. Der andere sollte so schnell wie möglich folgen.

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